Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31
Die Konspiration geht trotzdem weiter. Nach dem Krieg wird bekannt, daß siebzig Prozent aller im Lager einge-
nommenen Medikamente illegal hineingeschmuggelt wurden.
elchen Umfang allein die Nahrungsmittelhilfe W zeitweise annimmt, belegen Zahlen aus dem Geschäft des Lebensmittelhändlers Julian Du- sik aus Wenki bei Auschwitz. An einem Tag im Oktober 1941 werden 14,5 Kilo Butter, 100 Kilo Brot, 10,5 Kilo Zucker und 4 Kilo Margarine illegal ausgegeben. Die Po- S erhalten ihre Nahrungsmittel durch Bezugskarten, elche von den Besatzern ausgegeben werden: Die Ra- tionen sind so knapp bemessen, daß man kaum etwas da- von abgeben kann. Darum muß die Nahrungsmittelhilfe fur die Häftlinge aus anderen Quellen gespeist werden: Die Untergrundorganisationen drucken illegal Reichs- markscheine, mit denen Lebensmittel gekauft werden. „Lebensmittel“, meint Jakob Morek,„gab es genug. Man mußte nur zwanzigmal mehr für zusätzliche Rationen be- zahlen.“ Partisanen überfallen deshalb oft die Autos, mit denen die Deutschen Essensmarken befördern.
Die Frage an die Helfer, warum sie jahrelang das ei- gene Leben riskiert haben, um Häftlingen zu helfen, stößt auf Unverständnis.„Ich bin erzogen worden, an- deren zu helfen“, sagt Wanda Noworyta.„Wir sind Po- len“, meint Helena Szpak-Daton,„für die Jugend da- mals war es selbstverständlich, gegen die Deutschen zu kämpfen.“
Der in der Gedenkstätte Auschwitz tätige Historiker Henryk Swiebocki schktzt, daß etwa 800 bis 1000 Polen aus der Umgebung in das illegale Widerstandsnetz einge bunden waren.„Die Frauen und besonders die jungen
Adchen versteckten die Lebensmittel und Medika- mente.“ Sie konnten gefahrloser an die Außenkomman. dos der Hãftlinge herankommen.„Die Männer waren bei den Partisanen und organisierten die Flucht aus dem La- ger.“ 700 Menschen haben versucht, aus Auschwitz zu fliehen; 400 ist die Flucht geglückt. Kaum jemand ist ohne die Hilfe der Widerstandsbewegung außerhalb des Lagers in die Freiheit gelangt.[.
In der idyllischen Berglandschaft der Beskiden, vierzig Kilometer südlich von Auschwitz. Ein einsames Haus an einem Waldweg. Auf der obersten j Stufe einer steilen Treppe steht ein alter, gehbehinderter Mann. Tadeus? Nikiel, 73 Jahre alt, bittet uns herein. Wortlos õffnet er eine Zimmertür und knipst eine rote Lampe an. Wir sind geschockt: An den Wänden zwei glã- serne Vitrinen mit Auschwitzer Häftlingskitteln. Darüber Photos von Mitgliedern der Widerstandsbewegung aus


