Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Ebensohäufig wird sie am Lagertor scharf kontrolliert. Die Kassiber trãgt die überaus attraktive Botin so eng am Körper, daß die verlegenen jungen SS-Soldaten sie bei den Visitationen nicht finden.
Helena S2pak- Datori erhält die Nachrichten meist von
dem ihr bekannten Häftling Holy Roman und übergibt
sie in Chrzanow bei Auschwitz ihrer Freundin Anniela Kieres. Diese bringt die Nachrichten zur Bezirksleitung der Untergrundbewegung nach Krakau. Dort leitet, wie- derum eine Frau, Teresa Lasocka-Estreicher, Deckname „Tell“, ein illegales Hilfskomitee für Auschwitz-Häft- linge. Einige der Kassiber, die in Krakau ankommen, er- halten den Vermerk„Weiterleitung nach London“— zur polnischen Exilregierung.
Insgesamt werden 2000 Kassiber aus dem Lager ge- schmuggelt, 250 allein von Helena S?pak-Daton. Stolz er- zählt man sich noch heute in Oswiecim, daß der Wider- Stand beim Transport geheimer Nachrichten von Ausch- witz nach Warschau schneller arbeitete als die deutsche Post. Gestützt auf die illegalen Kassiber erscheinen 1944 allein in der Schweiz 383 Presseartikel. In den USA wer- den 354 Artikel über das Morden in Auschwitz veröffent- licht. Die polnische Exilregierung in London läßt 1944 eine Broschüre drucken mit dem unzweideutigen Titel „Todeslager Auschwitz“. Doch die alliierte Luftwaffe bombardiert statt der Gaskammern nur die lagernahen Industriebetriebe.
Die Massenvernichtung der Juden im neu errichteten Lager vor den Toren des Ortes Birkenau kann der Wider- stand kaum behindern. Seit Fruhjahr 1942 treffen dort Tag und Nacht die Transporte des Reichssicherheitshauptam- tes ein. Juden aus ganz Europa werden nach Birkenau, dem sogenannten Lager Auschwitz II, gebracht und die
eisten sofort nach der Ankunft ins Gas geschickt. Im Stammlager, Auschwitz I genannt, bleiben weiterhin nichtjudische, oft politische Haftlinge in der Mehrheit. Hier ist das Feld der Lagerwiderstandsbewegung.
Im Laufe der Jahre gelingt es ihr, wichtige Dokumente aus dem Lager zu bringen, die in den späteren Proꝛessen gegen die Mörder als Beweismittel verwendet werden. So etwa ein Verꝛeichnis von Hãftlingen, die mit Phenolsprit- zen umgebracht wurden; drei heimlich aufgenommene Photos, die zeigen, wie Frauen in die Gaskammer gejagt! werden; ferner Abschriften von Transportlisten, angefer-
tigt von Hzftlingen, die im Aufnahmebüro des Lagers ar-
beiteten.
Im September 1944 läßt der Haftling Josef Cyrankie- wiez— er ist polnischer Ministerpräsident, als Willy Brandt 1970 nach Warschau kommt- eine Liste all jener SS.Schergen zusammenstellen, die an Tötungen beteiligt


