28 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
strengere Isolierung des Lagers von der Umgebung. In einem Schreiben an die Inspektion der Konzentrationsla- ger in Berlin schreibt er:„Die Bevölkerung ist fanatisch polnisch und, wie durch VMänner in Erfahrung gebracht wurde zu jedem Vorgehen ge-
gen die verhaßte Besatzungs-
macht bereit. Auch hat jeder
Häftling, dem die Flucht ge-
lingt, alle Hilfe zu erwarten, so-
bald er das nächste polnische
Gehöft erreicht hat.“
1700 Menschen werden in den folgenden Wochen aus dem fünf Kilometer breiten Gürtel um das KZ ausgesie- delt. Etliche Gebäude werden zerstört oder den Familienangehörigen der SS-Leute zu- geteilt. In dem vierzig Quadratkilometer großen Terrain werden sechs Dörfer gerzumt: nur ein paar hundert Fami- lien wird erlaubt, hier zu bleiben. Sie sind als Eisenbahner und Bergarbeiter für das Funktionieren des KZ wichtig. Wer im„Lagerinteressengebiet“ unerlaubt angetroffen wird, muß mit der Todesstrafe rechnen.
Doch die verbliebene polnische Bevölkerung tritt den deutschen Besatzern entschlossen entgegen. Bald existie- ren fünf᷑ wichtige Widerstandsgruppen in der Umgebung von Auschwitz. So unterschiedlich die weltanschauliche Ausrichtung etwa der konservativen„Bauernbataillone“ und der kommunistischen„Revolutionären Volksarmee“ ist, wenn es um den Widerstand und um die Hilfe für die KZ-Hãftlinge geht, klappt die Zusammenarbeit reibungs- los. Partner der Konspiration aus der Umgebung von Auschwitz ist eine geheime Widerstandsgruppe im Lager. Sie wird im Septemver 1940 von einem Offizier der ge- schlagenen polnischen Armee, Withold Pilecki, gegrün- det. Von hm vird berichtet, er habe sich in Warschau be- wußt verhaften lassen, um im KZ Auschwit? den Widerstand zu organisieren. Entscheidendes Bindeglied zwischen dem Widerstand im Lager und außerhalb sind die sogenannten Zivilarbeiter, Polen aus der Umgebung, die im Lager Hilfsarbeiten verrichten, zum Beispiel in der Lagerküche.
fm Arbeitsamt der Stadt Auschwitz sitzen Mitglieder der polnischen Untergrundbewegung. Gezielt vermittelt man von dort aus die zwanzigjährige Helena Szpak-Da- toñ als Zivilarbeiterin in die SSKantine des Stammlagers. Von 1943 bis 1945 fährt sie jeden Morgen von Chrzanow zur Arbeit ins Konzentrationslager. Täglich werden ihr im Umkleideraum der Kantine Nachrichten zugesteckt.


