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(1994) 4/1994. Dezember 1994
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27

Die Fluchthelfer von Auschwitz

polnische Einwohner, vorneweg Frauen, retteten Hãftlingen das Leben N von Jürgen Holbrecht in der Zeit vom 2.9. 1994

Kassiber das Konzentrationslager Auschwitz. Darin heißt es:Auschwitz-Aktion Höß. Seit Mitte Mai starke Transporte ungarischer Juden. In jeder 3₰ Nacht kommen acht Züge, an jedem Tag fünf. Die Züge zählen jeweils 48 bis 50 Waggons, mit je 100 Personen. Um die Arbeit zu vereinfachen, reisen die Menschen schon getrennt an, zum Beispiel die Kinder in gesonder- ten Waggons. Die geschlossenen Züge warten auf einem besonderen Gleis mehrere Stunden auf das Ausladen. Weiter erfährt man:Der Dienst der SS-Männer bei der Judenvernichtung dauert ohne Unterbrechung 48 Stun- den, gefolgt von einer achtstündigen Pause. Die Zahl der Toten beträgt bereits über 100 000.

Hilferufe dieser Art gab es viele aus dem Lager Ausch- witz. Gehört wurden sie zunächst von der polnischen Be- völkerung des Ortes Oswiecim, dessen eingedeutschter; Name ꝛum Synonym für den Holocaust wurde. Auschwitz war ein deutscher Ort in den Jahren des Schreckens. Nach dem Uberfall auf Polen 1939 wurde das Gebiet östlich von Gleiwitz bis zur Weichsel per Dekret Hitlers annek- tiert. 12 000 Finwohner zählte Oswiecim damals; 6000 von ihnen waren Juden.

Nach dem Uberfall wird das judische Eigentum sofort beschlagnahmt, einer Auffanggesellschaft zugeteilt und im Laufe der Jahre an deutsche Neusiedler umverteilt.

Oie Synagogen werden geschlossen. Von Mai 1940 an be- ginnt man, die Juden in das Ghetto Sosnowitz, vierzig Ki- lometer von Auschwitz entfernt, zu deportieren. Nur 48 der Juden aus Oswiecim haben überlebt.

Am 20. Mai 1940 trifft der erste Häftlingstransport bei den am Stadtrand gelegenen ehemaligen Pferdeställen ein, die fortan alsKl. Auschwitz in die Geschichte ein- gehen werden.

Am 7. Juli 1940 kommt es zur ersten Flucht aus dem Lager. Der Pole Tadeusz Wiejofski, in einem sogenann- ten Außenkommando außerhalb der Lagerumzäunung eingesetzt, kann mit Hilfe der in der Nähe wohnenden Polen fliehen. Als Reaktion darauf ordnet der SS- und Polizeiführer in Breslau, Erich von dem Bach-Zelewski, an, einen Umkreis von fünf Kilometern um das Lager von verdächtigem, arbeitsscheuem Gesindel zu säu- bern. Auch Lagerkommandant Rudolf Höß fordert eine

m 25. Mai 1944 verläßt auf geheimem Weg ein