Heft 
(1994) 3/1994. Oktober 1994
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8 Lagergemeinschaft Auschwit?z-Freundeskreis der Auschwitzer

Kommando Union-Werke herausge- schmuggelten Sprengstoff in Emp- fang genommen hatte. Außerdem wurden fünf sowjetische Kriegsge- fangene verhaftet, die dem Sonder- komando nach ihrer Uberstellung aus dem Konzentrationslager Maj- danek im April 1944 zugeteilt wor- den waren.

Am Abend des gleichen Tages wurden zwei weitere Frauen in den Bunker von Block elf eingeliefert, darunter Rosa Robota; sie gehörte zu den Häftlingen, die in dem Krema- torium vier direkt benachbarten Pf- fektenlager arbeitete, und konnte so den von Ala Gärtner erhaltenen Sprengstoff an das Sonderkomman- do(an Wrobel) weitergeben. Am elf- ten und am zwölften Oktober wur- den noch vier weitere Frauen ver- haftet, die wahrscheinlich ebenfalls beschuldigt wurden, beim Schmug- gel des Sprengstoffs Hilfe geleistet zu haben.

Im Standortbefehl 26/44 verkün- dete der Kommandant des Konzen- trationslagers Auschwitz Richard Baer daß die getöteten S8 Angehörigen'in Ausübung ihres Di- enstes fielen vor den Feind getreu ihrem Fid auf den Führer. Der be- reits genannte Pery Broad schreibt in seinen Erinnerungen: 1[7]'Finige Tage später liefen fünf SSMänner aufgeblasen mit frisch verliehenen Bisernen Kreuzen umher. In einer Ansprache vor der Truppe wies der Kommandant von Auschwitz, SS Sturmbannführer Beer lrichtig: Ba- er; K. S.] darauf hin, daß dies der er- ste Fall sei, wo KZ-Truppen für heldenhaftes Verhalten bei der Ver- hinderung eines Massenausbruches vom Reichsführer Eiserne Kreuze verliehen bekämen.

Am 14. Oktober begann der Ab- bruch des durch den Brand beschä- digten Krematoriums vier. Fast den ganzen Oktober hindurch und auch noch im November wurden mehrere Dutzend Häftlinge vernommen, die verdãchtigt wurden, bei der Vorbe- reitung des Aufstands Hilfe geleistet zu haben.

Am 6. Januar 1945 wurden wäh- rend des Abendappells der soge- nannten Schutzhaft-Erweiterun die vier jüdischen Häftlinge Ala Gärtner, Roza Robota, Regina Sa- firszteen und Estera Wajchlum ge- hängt. Sie wurden ermordet, weil sie bei der Vorbereitung des Aufstands des Sonderkommandos Hilfe gelei- stet hatten. Dies war die letzte Exe- kution im KZ Auschwitz.

Lewentals Würdigung der Auf-

ständischen

In diesem Jahr sind fünfzig Jahre seit diesem Aufstand des Sonder- kommandos am 7. Oktober 1 944 ver- gangen. Sein tragischer Ausgang findet seinen Niederschlag in der bereits erwähnten Handschrift Sal- men Lewentals, der über die Auf- ständischen u. a. schreibt: I8]. Da sie nicht länger warten konnten, da je- de Minute von Entscheidung war denn es näherten sich bewaffnet Aufseher, begannen sie schnell alles, was sie für diesen letzten Augen- blick vorbereitet hatten, unter sich zu verteilen; sie durchschnitten die Drähte und alle flohen hinter die Li- nie der Postenkette. Sie gaben hier- bei Beweise von gewaltigem Verant- wortungsgefühl und Hingabe. In diesen letzten Minuten, da jede Se- kunde über ihr Leben emtschied, dem die sie verfolgenden Wachleute drohten, hielten sie noch für einen Augenblick an, um ihre letzte Auf-