Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
hat einen Karabiner. Es ist viel los. Ich fuhr zur Großen Sauna und be- merkte durch den Zaun, daß dort bei dem durch die hellen Flammen erleuchteten Krematorium ein paar Dutzend erschossene Häftlinge la- gen. Fs herrschte ein panisches Durcheinander. Das Sonderkom- mando hatte revoltiert, weil es er- fahren hatte, daß alle in den Krema- torien arbeitenden Häftlinge in ein Manderes! Lager überstellt werden Ssollten, was aber diese' Uberstellung' für sie bedeutet, das wußten sie ge- nau. Deshalb warfen sie den Kapo, der sich ihrer Flucht entgegenstellte und der Deutscher war, in einen brennenden Ofen und sie selbst nutzten aus, daß das Krematorium brannte und versuchten zu fliehen. Aber das gelang ihnen nicht, weil sich SS-Männer in der Nähe aufhiel- ten und sie überraschten und auf je- den schossen, der sich nur draußen
4la Gärtner Schmuggelte Sprengstoff in das Lager
zeigte.[...] Dann hörten wir aus Richtung Rajsko immer stärkere und lautere[ Schüsse; K. S. J. Ich be- gab mich so schnell wie möglich dorthin, und als ich an der Quaran- täne vorbeifuhr, bemerkte ich im Feld ein Kraftfahrzeug, mit mehre- ren bewaffneten Blockführern, die pausenlos schossen.[...] Aber bald wurde es ruhiger und es fiel nur von Zeit zu Zeit ein einzelner Schuß. Ich begab mich in die Nähe eines der Teiche[dort befanden sich Fischtei- che; K. S.], wo ich Opfer Sah, die fast im Wasser lagen. Dort zählte ich dreiundsiebzig erschossene Häftlin- ge und vier SS-Männer ſtatsächlich starben drei SS- Angehörige; K. S.]. Sie wurden von den Flüchtenden mit Messern erstochen, und dann nahmen sie ihnen die Pistolen ab. Sie nahmen auch dem ersten Posten, der auf dem Wachturm stand, die Waffe ab. Die Häftlinge verteidigten sich wild. Fast jeder von ihnen hatte mehrere speziell vorbereitete mit Pulver gefüllte und einer kurzen Zündschnur' versehene Büchsen, die sie als Handgranaten verwende- te. Sie hatten auch ein Bajonett.? Die illegalen Aufzeichnungen des Salmen Lewenthal
Am 17. Oktober 1 962 wurde in der Nähe des Krematoriums drei in Bir- kenau ein in der Erde vergrabenes Einmachglas aufgefunden, in dem sich ein Heft im Format A6 sowie ein Bündel loser Blätter befand. Im Verlauf der Säuberung und Konser- vierung der Blätter wurde ihre Rei- henfolge nicht gesichert, was in der Folge die Rekonstruktion der Auf- zeichnungen nach ihrer ursprüngli- chen Abfolge erschwerte. Ein erhe- blicher Teil der Blätter war durch Feuchtigkeitseinwirkung nicht mehr


