Heft 
(1994) 3/1994. Oktober 1994
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

den Häftlingen auch Alkohol gege- ben und als diese dann betrunken waren, hat man ihre Umerkunft ab geschlossen und hat durch irgendein Fenster Zyklon B in die Räume ge- Schüttet und sie so umgebracht. l.. Ich hatte Dienst und war deshalb bei den Desinfektoren anwesend.(..] [Den Häftlingen dieses Sonderkom- mandos wurde Alkohol gegeben,] wahrscheinlich, um in Folge oder durch den Finfluß des Alkohols ihre Vernichtung zu tarnen und sie über die Vernichtung hinwegzutäu- schen.

Die Leichen der Ermordeten wur- den, so ist anzunehmen, anschlie- ßend zu den Krematorien in Birken- au gebracht, wo sie von den dort ein- gesetzten Mithäftlingen erkannt wurden. Auch die noch lebenden Hãäftlinge des Sonderkommandos waren jetzt also in hõchster Gefahr. Aussagen von SS-Mitgliedern vor

Gericht

Am 7. Oktober 1944 traf ein von dem früheren Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, unterzeich- netes Fernschreiben in Auschwitz ein, mit dem die Liquidierung eines weiteren Teils der Häftlinge des Son- derkommandos angeordnet wurde. Als die S8 in den Nachmittagsstun- den dieses Tages daran ging, unter dem Vorwand, einen Transport vor- zubereiten, das Sonderkommando Aufstellung nehmen zu lassen, kam es zum Aufstand.

SS-Unterscharführer Pery Broad hat den Verlauf der Ereignisse in seinen Aufzeichnungen so darge- stellt:[3] Es gelang den zum letzten entschlossenen Häftlingen sich aus den Weichsel-Union-Werken, in de- nen von Gefangenen Geschoßzün- der fabriziert wurden, Sprengstoff

zu bekommen ſsic] mit dessen Hilfe sie sich primitive Handgranaten an- fertigten. Aus allen Krematorien war ein gleichzeitiger Ausbruch ge- plant. Das Signal sollte der Brand des Krematoriums drei[vier[4]] ge- ben. Diese Verzweiflungstat schei- terte. Das Krematorium drei ſvier] ging zwar in Flammen auf und es glückte auch etwa 80 Häftlingen, aus dem mit Stacheldraht gesicher- ten Krematorium aus?ubrechendq) 1 aber sowohl diese 80 als auch hun- derte aus den anderen Krematorien, namentlich aus Krematorium drei [vier], lagen am Abend dieses Un- glückstages erschossen vor der ver- kohlten Ruine. Was bei dem Aus- bruchsversuch aus dem brennenden Krematorium drei ſvier] nicht ums Leben gekommen war, wurde in die unbeschädigte Gaskammer getrie- ben. Je zehn der Unglücklichen ließ man heraus. Sie mußten sich auf dem Vorplatz auf den Bauch legen und bekamen den Genickschuß.?

Der SS-Angehörige Wladimir Bi- lan beschreibt den Verlauf des Auf- standes in seinen Aufzeichnungen so: Es war Sonnabend Nachmittag. Ich war in Birkenau, fuhr am Laza- rett der SSMänner vorbei und ve9 merkte aus der Richtung der'Sauna [das Gebäude der Sauna war neben dem Krematorium IV gelegen; K. S.] dicken schwarzen Rauch. Was konn- te dort brennen? Aber plötzlich wa- ren Schüsse zu hören. Ich fahre so schnell wie möglich in diese Rich- tung und was ist dort los? Das Kre- matorium III IIV] steht in Flammen, es ist von SS-Männern umstellt und jeder von ihnen hat eine Waffe in der Hand: Pistolen, Maschinenpisto- len. Hustek ſd. i. SS-Oberscharführer Erber] ist auf einem Motorrad und