Heft 
(1994) 3/1994. Oktober 1994
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Zeit einen Teil des Sonderkomman- dos, das sie dann durch neue Häft- linge aus neu eingelieferten Transp- orten auffüllten. Im Verlauf der Li- quidierung des Sonderkommandos ſieß die S8 schließlich nur noch die Kapos und die Heizer, die die Kre- matoriumsõfen bedienten, am Le- ben. Der oberste Grundsatz war, alle Kontakte dieser Häftlinge mit ande- ren Gefangenen im Lager zu umter- binden. Die Mitglieder des Sonder- kommandos waren als Geheimnis- träger gekennzeichnet, wurden im- mer in gesonderten Unterkünften untergebracht und waren von den anderen Häftlingen isoliert. Alle Versuche oder auch nur die Absicht, den anderen Häftlingen Informatio- nen über die von ihnen ausgeführte Arbeit und über den Umfang des Verbrechens zu übergeben, wurden mit dem Tode bestraft.

Weil der Massenmord mit der Zeit einen immer größeren Umfang erre- ichte und die Lagerführung die Ar- beit beim Verbrennen der in immer größerer Zahl zu beseitigenden Lei- chen reibungslos ablaufen lassen wollte, stellte sie mit der Zeit die ständig geübte Praxis ein, häufig im Sonderkommando eingesetzte Häft- linge zu liquidieren. Die S8 hatte er- kannt, daß jeder neu in das Sonder- kommando eingewiesene Häftling zuerst einmal eine gewisse Fertig- keit erwerben mußte, was den Ver- lauf des Vernichtungsprozesses und vor allem die Verbrennung der Lei- chen verlangsamte. Es wurde ledig- lich das Bewachungssystem durch die SS-Posten verstärkt und ein Teil des Sonderkommandos wurde in di- rekt bei den Vernichtungsanlagen gelegenen Unterkünften unterge- bracht. Die S8 hatte jedoch weiter

vor, diese Häftlinge zu gegebener Zeit zu liquidieren.

Die Häftlinge des Sonderkom- mandos waren sich ihrer ausweglo- sen Situation bewußt, und wie sich aus bei den Krematorien vergrabe- nen und nach dem Krieg ausgegra- benen Aufzeichnungen ergibt, be- gannen sie sich auf den Kampf mit der S8 vorzubereiten, sollte die S8

sie liquidieren wollen. Dieser

sollte mit einem allgemeinen Au stand für den Fall verbunden sein, daß die S8 daranging, den ganzen Lagerkomplex Auschwitz-Birkenau zu liquidieren. Pläne für einen Aufstand

Die Häftlinge waren zwar vonei- nander isoliert, sie waren jedoch trot?dem in der Lage, einen konspi- rativen Kontakt mit der im Konzen- trationslager Auschwitz-Birkenau bestehenden Widerstandsorganisati- on zu unterhalten. Der Termin die- Ses Aufstandes sollte jedoch von vie- len Faktoren abhängen; im Grunde sollte es dann zu Aufstand kommen, wenn eine unmittelbar drohende Gefahr für die Häftlinge eintrat, insbesondere der Versuch, alle Hãft- linge zu liquidieren, und der Auf-

stand hing von der Möglichkeit

Waffen und möglicherweise Unters stützung durch außerhalb des La- gers bestehende Partisanengruppen zu bekommen. Unter Berücksichti- gung der Stärke und der Bewaff- nung der SS-Wachmannschaft im Verhältnis zu den fast unbewaffne- ten Häftlingen stieß der Beschluß für einen Aufstand auf erhebliche

Probleme. Bereits am 24. März 1944 hatte SS- Obersturmbannführer Rudolf

Brandt von Persönlichen Stab des Reichsführers S8 Heinrich Himmler