Heft 
(1994) 2/1994. Juni 1994
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21

geland, während wir durch irgend- welche Straßen zogen. Ich trug den Wimpel, weil ich der Längste war. Der Haß auf alles Fremde wurde uns zweimal wöchentlich in cirka drei Stunden eingehämmert.-In der Schu- le folgte dann der 2. Teil.-Als ich auf dem Heimweg einmal einen soge- nannten Jugend-Führer nicht gegrüßt hatte, brüllte dieser mich deshalb an. O n meide ich alle Uniform-

räãger.. Die deutsche Tugend des Brüllens verfolgte mich noch bis in die 60er Jahre hinein.(Natürlich nach dem Peter-Prinzip, von oben nach un- ten; in der umgekehrten Richtung wurde gekrochen.) Doch für mich war die Zeit alsPimpf' nach drei Jahren beendet, nachdem das Land von den Alliierten endlich befreit worden war.

Neue Wortbedeutungen

Während der nächsten fünf Tage in Auschwit?z wird die Gruppe sehr wichtig für mich. Durch Gespräche am Tage und Diskussionen am Abend kann ich die ersten fürchterlichen Findrücke besser verarbeiten. Doch gleichzeitig brauche ich auch Zeit nur für mich und gehe dann allein durch

die Blocks. Auf der Lagerstraße be- Oeegnen mir sehr viel Jugendliche; ich finde das sehr gut.. Ganz wichtig für mich ist der gemeinsame Gang mit Hermann und der Gruppe durch Block 11, dem Todesblock. Dieses Hölle in der Hölle hätte ich allein beim ersten Besuch schwerlich ganz durchgestanden.

Mit Herrn S?ymanski, auch einen cehemaligen Auschwitz-Häftling, ge- hen wir am nächsten Tag durch das Lager Auschwitz II, genannt Birken- au.(Aussage eines Zeugen beim Au- Schwitz-Prozeß von 1964:die größte Todesfabrik der Welt'.) Herr S2y-

Der Cluh der ehemaligen Auschwitz- häftlinge in Zgorzelec hat auch eine medizinische Ahteilung. Die Lagerge- meinschaft unterstützt die Freunde in Zgorzelec mit 200 Mart monatlich.

manski zeigt uns auch die während und nach dem Holocaust geschaffe- nen Kunstwerke von Häftlingen. Ich entdecke ganz wunderbare Bilder und Plastiken.

Im Krematorium I befinden ich mich zum zweitenmal in einer Gas- kammer. Die gleichen Gefühle sind wieder da: Schmerz, Trauer und eine ohnmächtige Wut. Von den nationa- len Ausstellungen beeindrucken mich am meisten die der Staaten Israel und Osterreich.

Die Zeit im Archiv ist leider zu knapp! Under anderem studiere ich Akten, die die reibungslos funktionie- rende Zusammenarbeit zwischen der SS und der I6 Farben dokumentieren.

Auf der Weiterfahrt am Samstag vor Ostern denke ich an die Worte, deren neue Bedeutungen ich lernen konnte: Sonderbehandlung, Absprit- zen und Selektion stehen für Mord;