22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Binheiten für Menschen etc. Ich den- ke an George Orwell, 1984*. Majdanek
Nach einem schneereichen Oster- fest in Zakopane geht die Fahrt wei- ter gen Osten(teilweise mit Schnee- ketten). In Lublin besuchen wir das ehemalige Vernichtungslager Majda- nek. Mir geht alles noch mehr unter die Haut. Liegt es daran, daß die gan- ze Mord-Maschinerie der Nazis sich hier auf relativ kleinem Raum befin- det? Ich glaube schon. Mit einer Gruppe von Besuchern aus Israel, die am„March for the living“ teilnah- men, gehen wir von Block zu Block. Drei davon enthalten nur Schuhe, der vierte Block Kinderschuhe. Die den ermordeten Hãäftlingen geraubte Klei- dung wurde, soweit noch gut erhal- ten, ins Reich geschickt, um die in- zwischen auch notleidenden Men- schen der„Herren-Rasse' zu versor- gen. Schmuck, Zahngold und Geld gingen direkt nach Berlin, aber auch Menschenhaare wurden für 50 Reichspfennig von der S8 verkauft..
Und wieder wird mir bewußt, daß ich„fern der Heimat“ durch ein ehe- mals deutsches Lager gehe; das ge- samte ausgestellte Dokumentations- material ist ja in der Sprache der Pei- niger geschrieben. Das gilt natürlich auch für alle Hinweistafeln etc.
Die Stacheldrahtzäune auf dem Gelände des ehemaligen KZs Majdanet
Majdanek war vom Reichsführer S8 und Chef der deutschen Polizei Himmler zunächst als Lager für so- wjetische Kriegsgefangene konzi- piert. Die Deutsche Wehrmacht als verlängerter Arm der S87 Das ist auch ganz neu für mich.. Das Konzentra- tionslager Majdanek wurde als erstes KL bereits im Juli 1944 von der so- wjetischen Armee befreit.
Resumee
In Lublin hatten wir noch gute Ge- spräche mit ehemaligen Häftlingen. Krakow ist eine herrliche Stadt. Dort und auch in Zgorzelec besuchen wir die Clubs der ehemaligen KL- Häftlinge. Wir werden sehr herzlich aufgenommen. Ich bin froh, daß ich diese Reise gemacht habe. Ich weiß, daß sie mir auch in der Zukunft viel Energie und Klarheit geben wird, wenn es um Auseinandersetzungen Zzum Thema Auschwitz geht.
Nicht nur während der ganzen Rei- se, sondern auch bei unseren Gastfa- milien hatten wir Kontakt mit ehe- maligen Häftlingen. Von ihren bitte- ren Erfahrungen„life? zu erleben war für mich von unschätzbarem Wert. Die Gruppe hat mir bei meiner Trau- erarbeit sehr geholfen. Und ich wün⸗ sche mir für dieses Land und für dien se Welt ein Ende von Rassismus und Nationalismus.


