Heft 
(1994) 2/1994. Juni 1994
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17

Eine Spende aus New Vork für die Arbeit der Lagergemeinschaft

Auskünfte über eine Biographie

von Klaus Konrad-Tromsdorf

Vor einiger Zeit erreichte mich ein Scheck über 540, Eine erste Spende für die Lagergemeinschaft Auschwitz in Anerkennung ihrer Arbeit, schrieb der Spender, Ernest K. Chambre aus New Vork.

5 Mit Ernest L. Chambre stehe ich seit 1987 in Briefkontakt, da ich damals mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich an einer Dokumentation(1) über die Zeit des Nationalsozialismus arbeitete. Ein wenig kann ich also über die Biographie Ernest L. Chambres mit-

teilen: CGARKL CHAMBRE LISH(Oberhessen)

Fernsprecher Nr. S Sſe(Ernst Ludwig) Chambre Fostscheckkonto Frankfurt a. M. 17882

wurde 1909 in Lich/Hessen geboren, sein Vater, Max Chambre und seine Mutter, Emilie, betrieben in Lich ein Manufakturwarengeschäft, das bereits von Ernests Großvater gegründet wor- den war. Die Chambres waren eine von mehreren jüdischen Familien, die zum Teil bereits seit dem achtzehnten Jahr- hundert in Lich ansässig waren. Ernest war das Zweite von drei Kindern der Familie. Seine ältere Schwester Hen- riette lebte während der zwanziger Jah- re in Berlin, sie war verheiratet und hatte zwei Töchter, die jüngere Schwester Ernests, Anna Marie, lebte in Lich.

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5 ſkinheuſverbendes p RheinischWestfsischer ß Monlahlurislen nu Gin

Ernest Chambre bestand 1929 das Abitur an dem Humanistischen Gymnasi- um in Gießen und studierte Jura in Gießen, Frankfurt und Berlin. Bher unty- pisch war, daß die Familie Chambre eine pro-republikanische und pro- demokratische Haltung vertrat und diese auch öffentlich zeigte. Ernest Vater war an der Organisation des Licher Reichsbanners' beteiligt, die Familie und besonders Ernest wurde daraufhin als Kommunisten' denunziert. Bereits vor dem ersten Weltkrieg war die damalige darmstädtische Provinz Oberhessen Zentrum der antisemitischen Bauernbewegung des Marburger Bibliothekars Dr. Otto Böckel; an dieses Potential knüpfte die NSDAP Ende der zwanziger Jahre erfolgreich an: alle Wahlergebnisse der NSDAP seit 1930 lagen in Ober- hessen deutlich über denjenigen, die die NSDAP im Deutschen Reich insge- samt erzielen konnte, die Unterschiede betrugen mitunter mehr als 20 Prozent der abgegebenen Stimmen(2).