18 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Diese sehr deutliche Zustimmung zur Nazipartei kulminierte bereits eine Woche nach der Reichstagswahl im März 1933: die Licher SA organisierte einen Pogrom, der sich gegen die jüdischen Familien in Lich richtete. Widerwärtige Folterszenen müssen sich abgespielt haben, Ernests Vater erlitt dabei schwere Gehirnverletzungen, von denen er sich nie wieder erholte, jüdische Geschäfte wurden geplündert. Ernest, der sich in dieser Nacht nicht in Lich aufhielt, wurde gesucht, er sollte'aufgehängt' werden, wie er sich erinnert. Anstatt am 13. März sein erstes juristisches Staatsexamen abzulegen, floh Ernest Chambre nach Belgien, seine Familie folgte ihm einige Wochen später, sie wohnten dann in Morlanwelz(Hennegau).
In Lich wurde das Vermögen der Familie Chambre in einem äußerst dubio- sen Konkursverfahren'arisiert'(3), der Gang dieses Verfahrens war nach 1945 nicht zu rekonstruieren, was unter anderem zur Folge hatte, daß Ernest Chambre bis heute kei- ne Entschädigungsleis- tungen erhalten hat: seine Ansprüche wur- den von den Gerichten abgelehnt, unter ande- rem mit der Begrün- dung, es könne im Mãärz 1933 noch nicht von einer staatlich or- ganisierten Verfolgung jüdischer Bürgerinnen und Bürger gespro- chen werden.
Als 1942 die deut- sche Wehrmacht Bel- gien besetzte, floh Er- nest nach Frankreich, seine Familie mußte in Belgien bleiben, da Er- nests Vater aufgrund seiner Verletzungen nicht in der Lage war, sich alleine zu bewe- gen. In Frankreich wurde Ernest bei Kriegsbeginn inter- niert, weil er deutscher Staatsangehöriger war. Von links. Anna-Marie Chambre, Henriette Cham- In einem südfranzösi-
hre und Ernst Ludwig Chamhre schen Lager unterge-


