Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
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Benefizkonzert
Auf Finladung der Lager- gemeinschaft Auschwitz Freundeskreis traten am 25. Oktober 1993 Manfred Lemm und sein Ensemble im Frank- furter DCBR-Haus auf und prãsentierten bei einem Be- nefizkonzert zugunsten des Erhalts der Gedenkstätte Auschwitz jiddische Lieder des Krakauer Volksdichters Mordechaj Gebirtig.
Die unten abgedurckte Be- sprechung erschien in der Frankfurter Rundschau vom
2 03
Geschichten der kleinen Leute
Jiddische Lieder„Gegen das Vergessen“ im DGB-Haus
„Gegen das Vergessen“ der Nazi-Ver- brechen an Menschen jüdischen Glau- bens war ein Konzert im Großen Saal des DGB-Hauses angesagt. Manfred Lemm und sein Ensemble spielten jiddische Lie- der, dessen Texte und Musik aus der Fe- der des Krakauer Dichters Mordechaj Gebirtig stammten. Das Ensemble ver- zichtete auf die Gage; die Einnahmen durch den Verkauf der Eintrittskarten kommen dem Erhalt der Gedenkstätte Auschwitz zugute.
So ernst der Anlaß, so heiter die ver- brachte Zeit. Obwohl trotz des dem Kon- zert vorangestellten Mottos—„Wir set- zen gegen die Trauer die Fröhlichkeit, denn man muß nicht weinen, man muß lachen“— die Lieder Mordechaj Gebir- tigs meistens traurig klangen. Wobei nicht zu unterscheiden war, ob die vielen „Oi, oi, oi“Ausrufe Laute des Jammers oder Laute über die Lust am Jammer wa- ren.
Aber wer war Mordechaj Gebirtig? Ihn konnte kaum einer vergessen, weil er nie bekannt war. Er wurde 1877 in Krakau geboren als Sohn kleiner Kaufleute, er- zählte Lemm. Er war für die„kleinen
Leute“ da mit Gedichten, die jüdisches Leben Von unten“ beschrieben. Dazu ge- hörten größere Anlässe wie Hochzeiten — besonders problematisch: die Verhei- ratung von Töchtern—, und alltägliche mit der elementaren Frage: Was gibt es heute zu Mittag?
Das waren Themen, bei denen Klez- mermusiker aufspielten, wie auch jetzt die durch„klassische“ Instrumente wie Cello und Kontrabaß„veredelte“ Gruppe um Manfred Lemm. Historisch besetzt war das Klezmer-Ensemble durch Klari- nette, Geige, Balalaika und Akkordeon. Lemm selbst begleitete sich auf der Gi- tarre. Alles zusammen ergab den typisch lustig-dramatischen Klezmer-Sound der Wandermusiker, die überall da aufspiel- ten, wo es etwas zu verdienen gab. So er- innern einige Texte Gebirtigs an die sanf- te Ironie der„jiddischen“ Lieder Georg Kreislers.
Manfred Lemm übersetzte die jiddi- schen Texte vorab, streute Informationen ein und steuerte außerdem Kompositio- nen bei der Klezmermusik feinfühlig nachempfundene Melodien.
SIGRD OLSCHEWSKI


