Heft 
(1994) 1/1994. März 1994
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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer

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Benefizkonzert

Auf Finladung der Lager- gemeinschaft Auschwitz Freundeskreis traten am 25. Oktober 1993 Manfred Lemm und sein Ensemble im Frank- furter DCBR-Haus auf und prãsentierten bei einem Be- nefizkonzert zugunsten des Erhalts der Gedenkstätte Auschwitz jiddische Lieder des Krakauer Volksdichters Mordechaj Gebirtig.

Die unten abgedurckte Be- sprechung erschien in der Frankfurter Rundschau vom

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Geschichten der kleinen Leute

Jiddische LiederGegen das Vergessen im DGB-Haus

Gegen das Vergessen der Nazi-Ver- brechen an Menschen jüdischen Glau- bens war ein Konzert im Großen Saal des DGB-Hauses angesagt. Manfred Lemm und sein Ensemble spielten jiddische Lie- der, dessen Texte und Musik aus der Fe- der des Krakauer Dichters Mordechaj Gebirtig stammten. Das Ensemble ver- zichtete auf die Gage; die Einnahmen durch den Verkauf der Eintrittskarten kommen dem Erhalt der Gedenkstätte Auschwitz zugute.

So ernst der Anlaß, so heiter die ver- brachte Zeit. Obwohl trotz des dem Kon- zert vorangestellten MottosWir set- zen gegen die Trauer die Fröhlichkeit, denn man muß nicht weinen, man muß lachen die Lieder Mordechaj Gebir- tigs meistens traurig klangen. Wobei nicht zu unterscheiden war, ob die vielen Oi, oi, oiAusrufe Laute des Jammers oder Laute über die Lust am Jammer wa- ren.

Aber wer war Mordechaj Gebirtig? Ihn konnte kaum einer vergessen, weil er nie bekannt war. Er wurde 1877 in Krakau geboren als Sohn kleiner Kaufleute, er- zählte Lemm. Er war für diekleinen

Leute da mit Gedichten, die jüdisches Leben Von unten beschrieben. Dazu ge- hörten größere Anlässe wie Hochzeiten besonders problematisch: die Verhei- ratung von Töchtern, und alltägliche mit der elementaren Frage: Was gibt es heute zu Mittag?

Das waren Themen, bei denen Klez- mermusiker aufspielten, wie auch jetzt die durchklassische Instrumente wie Cello und Kontrabaßveredelte Gruppe um Manfred Lemm. Historisch besetzt war das Klezmer-Ensemble durch Klari- nette, Geige, Balalaika und Akkordeon. Lemm selbst begleitete sich auf der Gi- tarre. Alles zusammen ergab den typisch lustig-dramatischen Klezmer-Sound der Wandermusiker, die überall da aufspiel- ten, wo es etwas zu verdienen gab. So er- innern einige Texte Gebirtigs an die sanf- te Ironie derjiddischen Lieder Georg Kreislers.

Manfred Lemm übersetzte die jiddi- schen Texte vorab, streute Informationen ein und steuerte außerdem Kompositio- nen bei der Klezmermusik feinfühlig nachempfundene Melodien.

SIGRD OLSCHEWSKI