Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11
Vanda Obiedkova(1930- 2022)1
stellen die Uberlebenden des Holo- caust fest, dass Wladimir Putin zur Be- gründung seines Krieges immer wie- der die Begriffe„Völkermord“ und „Entnazifizierung“ heranzieht. Sie empfinden dies als eine zynische und tückische Lüge, die nicht nur die Uber- lebenden des Holocaust sondern auch all die Menschen mißbraucht, die als Sowjetische Kriegsgefangene in deut- schen Konzentrationslagern gelitten oder als Soldaten der Roten Armee Auschwit? und andere Lager befreit haben.“
Dass dabei dem russischen Angriff auf die Ukraine Uberlebende der Shoah, wie die 9jährige Vanda Semjonowna Obiedkova während der Belagerung Mariupols und der 96—
jährige Boris Romantschenko bei ei- nem Raketenangriff auf Charki, zum Opfer fielen, und dass Uberlebende ausgerechnet in Deutschland Zuflucht suchen mussten, ist eine weitere trau- rige Begleiterscheinung dieses Krie- ges.
Der Krieg in der Ukraine ist also von Anfang an in zahlreiche erinne- rungspolitische Bezüge eingebettet. Auch daraus erklärt sich die Schärfe der Auseinandersetzung über Art und Umfang gerade der deutschen Debat- te über die Beteiligung an der Vertei- digung der Ukraine gegen den russi- schen Angriff. Kann es„nach Auschwit?“ ein moralisch gerechtfer- tigtes Argument gegen eine kriegeri- sche Auseinanderset?ung geben? Was bedeutet„Pazifismus“ in der Welt „nach Auschwitz“ und mitten in den kriegerischen Auseinandersetzungen unserer Tage? Und was bedeuten„Er- innerung“ und„Zeitzeugenschaft“ in solchen Zeiten?
Diesen Fragen wollen wir als La- gergemeinschaft im kommenden Jahr In einer Veranstaltungsreihe„Krieg und Brinnerung“ auf den Grund ge- hen. Gerhard Mer?z
1) Foto: jewishlife. co. uk: Wanda Objedkowa war eine sowjetische bzw. ukrainische jü- dische Uberlebende des Holocaust. Mit zchn Jahren überlebte sie den nationalsoꝛzialisti- schen Uberfall auf die Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs, indem sie sich in einem Keller in Mariupol versteckte. S1 Jahre Später starb sie, geschwächt durch eine Er- krankung, in einem Keller in derselben Stadt, als sie sich infolge des russischen Uberfalls auf die Ukraine verstecken musste. Im Oktober 1941 begann die Wehrmacht in Mariu- pol die Juden der Stadt ⁊usammenzutreiben. Als die SS in das Haus der Familie kam und Wandas Mutter Maria(Mindel) mitnahm, gelang es dem Mädchen, sich der Verhaftung zu entziehen, indem es sich in einem Keller versteckte. Am 20. Oktober 1941 erschossen die Deutschen?Zwischen 9.000 und 16.000 Juden in Gräben am Stadtrand von Mariupol, darunter auch Objedkowas Mutter und die gesamte Familie ihrer Mutter.


