Heft 
(2021) 1/2021. Dezember 2021
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21

Auschwitz hat ihn nie verlassen

Waclaw Dlugoborski im Mter von 95 Jahren verstorben

Aus Polen erreichte uns die traurige Nachricht, dass Waclaw Dlugoborski, Auschwitz-Häftling Nr. 138871, am 21. Oktober dieses Jahres im Alter von 95 Jahren verstorben ist. Auch im hohen Alter hat der renommierte polni sche Historiker er war bis 1996 Profes- sor für Wirtschafts und Sozialgeschichte an der Wirtschafts hochschule in Breslau sowie Kurator für Forschungsfragen am Museum MAuschwit?- Birkenau- immer wieder vor Jugendlichen wie auch vor Erwachsenen vom Leben und Ster- ben sowie auch vom Uberleben in Auschwit? berichtet. Mehrfach war er für solche Zeitzeugen-Gespräche auch für Gruppen unserer Studienrei- Ssen in die Internationale Jugendbegeg- nungsttte in Oswiecim angereist. Er wird uns und den vielen anderen Menschen, die ihm zugehört haben, in eindrucksvoller Erinnerung bleiben. Ich hatte Glück, erzählte Dlugo- borski einer Gruppe aus Straubing: Als ich ins Lager kam, herrschte Mangel an gestreifter Häftlingsklei- dung. So bekam ich die Kleidung ei- nes ermordeten Juden. Die war dicker und wärmer. Die Kleidung ei- nes Toten, sie war einer von vielen kleinen Zufällen, die die Chancen auf

Noch 2018 stand Waclaw Dlugo- borski einer LGA-Gruppe für ein Gespräch zur Verfügung.

ein Uberleben verbesserten. Ge fragt, ob man aus dem Holocaust et- was lernen kann, antwortete der Aus- chwit?-Uberlebende:Das sollte sich niemals wiederholen. Wir sollten alle Brüder sein!*

Bei seinen Vorträ- gen pflegte Waclaw Dlugoborski auf sei nen Arm mit der Täto- wierung zu 2eigen: Die Nummer auf meinem Arm erinnert mich jeden Tag an Auschwit?, sagte er. Die Uberlebenden ha- ben Auschwitz verlas- sen, aber Auschwitz hat sie nie verlas- sen. Deshalb sind Professor Dlugo- borski und viele andere immer wieder in die Gedenkstätte Auschwit?z zurückgekehrt, um Zeugnis abzule- gen und aufzuklären. Auch seine wis- Senschaftliche Arbeit hat er in den Dienst der Dokumentation der Menschheitsverbrechen gestellit.

Waclaw Dlugoborski gilt als Doy- en der polnischen Zeitgeschichtsfor- schung. Unter anderem hat er zusam- men mit Franciszek Piper die fünf bändige GesamtdarstellungAksch wit? 940-J04 Studien zur Ge Schichte des Konzentrations- und Vey nichtungslagers Alschwitz herausge- bracht. Sie erschien zuerst 1995 auf polnisch und fünf Jahre spãter auch in deutscher Sprache.