Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21
Auschwitz hat ihn nie verlassen
Waclaw Dlugoborski im Mter von 95 Jahren verstorben
Aus Polen erreichte uns die traurige Nachricht, dass Waclaw Dlugoborski, Auschwitz-Häftling Nr. 138871, am 21. Oktober dieses Jahres im Alter von 95 Jahren verstorben ist. Auch im hohen Alter hat der renommierte polni— sche Historiker— er war bis 1996 Profes- sor für Wirtschafts— und Sozialgeschichte an der Wirtschafts— hochschule in Breslau sowie Kurator für Forschungsfragen am Museum MAuschwit?- Birkenau- immer wieder vor Jugendlichen wie auch vor Erwachsenen vom Leben und Ster- ben sowie auch vom Uberleben in Auschwit? berichtet. Mehrfach war er für solche Zeitzeugen-Gespräche auch für Gruppen unserer Studienrei- Ssen in die Internationale Jugendbegeg- nungsttte in Oswiecim angereist. Er wird uns und den vielen anderen Menschen, die ihm zugehört haben, in eindrucksvoller Erinnerung bleiben. „Ich hatte Glück“, erzählte Dlugo- borski einer Gruppe aus Straubing: „Als ich ins Lager kam, herrschte Mangel an gestreifter Häftlingsklei- dung. So bekam ich die Kleidung ei- nes ermordeten Juden. Die war dicker und wärmer. Die Kleidung ei- nes Toten, sie war einer von vielen kleinen Zufällen, die die Chancen auf
Noch 2018 stand Waclaw Dlugo- borski einer LGA-Gruppe für ein Gespräch zur Verfügung.
ein Uberleben verbesserten.“ Ge— fragt, ob man aus dem Holocaust et- was lernen kann, antwortete der Aus- chwit?-Uberlebende:„Das sollte sich niemals wiederholen. Wir sollten alle Brüder sein!*
Bei seinen Vorträ- gen pflegte Waclaw Dlugoborski auf sei— nen Arm mit der Täto- wierung zu 2eigen: „Die Nummer auf meinem Arm erinnert mich jeden Tag an Auschwit?“, sagte er. Die Uberlebenden ha- ben Auschwitz verlas- sen, aber Auschwitz hat sie nie verlas- sen. Deshalb sind Professor Dlugo- borski und viele andere immer wieder in die Gedenkstätte Auschwit?z zurückgekehrt, um Zeugnis abzule- gen und aufzuklären. Auch seine wis- Senschaftliche Arbeit hat er in den Dienst der Dokumentation der Menschheitsverbrechen gestellit.
Waclaw Dlugoborski gilt als Doy- en der polnischen Zeitgeschichtsfor- schung. Unter anderem hat er zusam- men mit Franciszek Piper die fünf— bändige Gesamtdarstellung„Aksch— wit? 940-J04— Studien zur Ge— Schichte des Konzentrations- und Vey— nichtungslagers Alschwitz“ herausge- bracht. Sie erschien zuerst 1995 auf polnisch und fünf Jahre spãter auch in deutscher Sprache.


