Heft 
(2021) 1/2021. Dezember 2021
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19

Gebot gegen die Gleichgiültigkeit

Am 21. Mai ist in New Vork der Präsident des Internationalen Ausch witz Komi- tees Roman Kent im Mlter von 92 Jahren verstorben. Das Internationale Ausch- wit?-Komitee würdigte ihn in einer Pressemeldung wie folgt:

Roman Kent wurde 1929 in Lodz als Sohn der jüdischen Familie Kniker geboren, der in Lodz eine Textilfabrik gehörte. Ende 1939, nach dem Uber- fall der deutschen Wehrmacht auf Po- len, wurde die Familie Kniker- wie die anderen jüdischen Lodzer Familien auch- ins Ghetto gebracht, wo Ro- mans Vater 1943 an den Folgen der Unterernährung starb.

Die restliche Familie wurde 1944 nach der Liquidation des Ghettos nach Auschwit?-Birkenau deportiert, wo Roman von seiner Mutter und seinen Schwestern getrennt wurde. Gemein- Sam mit seinem Bruder Leon durchleb- te Roman weitere Konzentrationsla- ger, bis er auf einem Todesmarsch von Flossenbürg nach Dachau als Sechs- zehnjähriger von amerikanischen Sol- daten befreit wurde. Gemeinsam mit seinem Bruder immigrierte Roman Kent 1946 in die USA, wo er als erfolg- reicher Geschäftsmann lebte.

Zum Tod Roman Kents betonte in Berlin Christoph Heubner, der Hxe- kutiv-Vizepräsident des Internationa- len Auschwitz Komitees:Auschwitz- Uberlebende in aller Welt verabschie- den sich mit großer Dankbarkeit und tiefer Wehmut von Roman Kent, der über viele Jahrzehnte ein konsquen- ter und wortgewaltiger Repräsentant ihrer Brinnerungen und ihres Lebens gewesen ist. Schon früh engagierte

sich Roman Kent(..) für die Gesund- heit und das Wohlergehen aller Uber- lebenden und für die Entschädigung, die den Häftlingen der deutschen Vernichtungsmaschinerie nach ihrer Sklavenhaft und ihrer Zwangsarbeit zustand. Seine deutschen Gespräch- spartner schätzten seine sensible Of- fenheit und sein Interesse an einer ge- meinsamen Zukunft, die auf den Fak- ten der Geschichte beruhte.

Für das Internationale Auschwilz Komitee und als Auschwitz-Uberle- bender sprach er bei den Feierlichkei- ten zum 70. Jahrestag der Befreiung von Muschwit? in der dortigen Ge denkstätte. Mit seiner Forderung nach einem 11. Gebot gegen die Gleichgül- tigkeit hat sich Roman Kent in die Ge- schichtsbücher eingeschrieben. Ge- meinsam mit seiner Frau Hannah, die auch eine Auschwitz-Uberlebende war, hat sich Roman Kent sein ganzes Leben hindurch für die Erinnerung, für die Toleranz und gegen den Anti- semitismus engagiert.

Gerade in den letzten Monaten war die Last auf seinen Schultern schwerer geworden: Die brennenden Bilder der Vergangenheit schoben sich angesichts der aktuellen Entwicklungen immer mehr in sein Leben und die Beobach- tung, dass der Haß des Antisemitismus und die Verherrlichung von Auschwitz immer mehr an Boden gewinnen, be-