Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31
ben daher an nichtjüdische Nachbarn oder an vertrauenswürdige Freunde oder Bekannte, die die Lebenszeichen aus dem Lager konspirativ weiterleiten konnten. Hermans Postkarte konnte bislang nicht in der Sammlung von 230 Postkarten des UGIF-Archivs gefun- den werden und wurde daher wahr- Scheinlich zugestellt. Insofern können über die Korresponden? Hermans nur allgemeine Feststellungen getroffen oder Rückschlüsse aus der Postkartei- karte gezogen werden.
Besonderheiten der Briefaktionen Gemãäß den Vorgaben der Lagerzensur musste in der Absenderadresse„Ar- beits“- statt Konzentrationslager ste— hen, statt Auschwitz musste„Birkenau bei Neu-Berun O/S“ angegeben wer- den, auch wenn der Hãäftling im Stamm- lager untergebracht war(oder„Stabs- gebäude? für die dort beschäftigten und untergebrachten Häftlingsfrauen; für Auschwit? III war die Vorgabe:„Ar- beitslager Monowit?“; für Nebenlager z. B.„Kommando Golleschau“), statt Block musste das Wort„Haus“ verwen- det werden. Im Gegensatz zu den stan- dardisierten Postkarten-Vordrucken für nicht jũdische Häftlinge sollte keine Häftlingsnummer angegeben werden, allerdings häufig das auch in anderen Vordrucken verlangte Geburtsdatum. Für die Briefaktion nach Ungarn im Jahre 1944 gipfelte die Verschleierung und Verharmlosung zum Beispiel darin, dass neben Namen und Geburtsdatum nur die Angabe„Am Waldsee“ als Adresse angegeben werden durfte.
Fin wesentlicher Unterschied zum Briefverkehr außerhalb der Briefaktio- nen lag darin, dass die standardisierten
Lagerbrief-(Briefbögen, Faltbriefe, Kartenbriefe), Postkarten- und Kuvert- Vordrucke die Postzensurstelle des K. IL. Auschwit?(nummeriert:„II“ für Birkenau,„III“ für Monowitz; Neben- lager hatten Zum Jeil ihre eigenen Post- zensurstellen, z. B.„M. L. Eintrachthüt- te“) durchlaufen mussten. Diese mussten zudem frankiert werden, wa- ren vereinzelt im Absender-Feld zu— Sätzlich adressiert mit„K. L. Auschwitz O/8, Postamt 2“ und/oder mit dem Poststempel„Auschwit?(Oberschles)“ abgeschlagen(nummeriert:„Z“ zustän- dig für Stammlager und Lager Bir— kenau,„3“ für Lager Monowit?; Ne- benlager hatten zum eil ihre eigenen Poststempel, z. B.„Jaworzno“,„Gilei- wit? oder„Schwientochlowitz“).
Die Postkarten der zwangsweise ver- ordneten„Briefaktionen“ für Juden wurden hingegen säckeweise in die Sam- mel- und Verteilungszentren geliefert und mussten dort mit Behelfsstempeln nachbearbeitet und wenn Briefmarken bereits aufgeklebt oder erforderlich wa- ren mit den Poststempeln„Berlin Char- lottenburg 2* oder„Berlin“ abgeschla- gen werden(Z. B. bei Empfängeradres- sen in Wien oder im Protektorat Böh- men und Mähren). Sie umgingen in der Regel auch die zuständige Auslands- briefprüfstelle beim Oberkommando der Wehrmacht(Ausnahmen sind zum Jeil auf in die Slowakei und nach Serbi- en versandten Postkarten zu finden).
Nur in einigen Fällen wurden die Karten von ihren Verfassern datiert, was Rückschlüsse auf die Dauer der zentralen Weiterleitung und Zustellung zulässt. Der mit Herman gemeinsam deportierte Noé Nysenbaum datierte Seine Postkarte in Monowit? auf den


