30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Karen Taieb, von Hermans Postverkehr- Verzeichniskarte in einer Zweigstelle des Zentral-Archivs des franzsischen Verteidigungsministeriums und der franzõsischen Armee in Caen(La Mivi- Sion des Archives des Victimes des Con- Hits Contemporains, DAVCC) gewon- nen werden. Die Karteikarten zur Dokumentation des Postverkehrs wur- den von der Allgemeinen Vereinigung der französischen Juden unter dem Vichy-Regime(Union générale des is— rulites de Hrance, VOIE) geführt, da sie die Zentrale Postverteilung vornehmen musste. Damit wurde auch ein isolierter und vom RSHAM kKontrollierter Postweg geschaffen, der die regulären Poststellen unauffãllig entlasten sollte.
Im Fall von Chaim Herman ist un- ter der Korrespondenz-Nr. 1159 eine Postkarte(der Buchstabe„C“ auf der Karteikarte steht für„Carte postale*“) an eine Nachbarin namens Klazer regi- striert, die an seine ehemalige Wohn- adresse in der Rue de Montreuil Nr. 65 in Paris adressiert war und am 12.10.1943 in der UGIF ankam. Nach- dem in den ersten Jahren jüdische Hãäftlinge, die mit Sammeltransporten individuell ins KI Auschwitz überstellt worden waren, vereinzelt regulär vor- geschriebene und mit Anordnungen für den Schriftverkehr bedruckte Brief— und Postkartenvordrucke(nach Dach- auer Vorbild) verwendet hatten, änder- te sich die Regelung nach dem Beginn der Massendeportation von Juden.
Fin RSHA-Erlass vom 30.3.1942 bestimmte, dass Juden einmal innerhalb von zwei Monaten Briefe empfangen und schreiben durften. In der Praxis wurden in der Zweiten Jahreshälfte 1042 aber nur gesonderte Schreibtage und
neutrale Vordrucke mit dem Aufdruck „Postkarte“ für sporadisch und Zwangs- mäßig angeset?te„Briefaktionen“ ge- nehmigt, so zum Beispiel am 12.09. 1 942 für aus der Slowakei deportierte Juden. Im„ Theresienstädter Hamilienlager? in Birkenau wechselte der Abstand der verordneten Schreibtermine kontinu- ierlich von einem auf zwei Monate. Die- 8e Aktionen verfolgten den Zweck, die Empfänger zu täuschen und zu beruhi- gen sowie der Gestapo Kontaktkon- trollen Zzu ermöglichen. Die UGIF in Paris erreichten bis November 1942 nur etwa 20, bis Mitte Januar 1943 insge- Samt 153 Postkarten von Hãäftlingen, die im Juli und September 1942 von Pran- cy nach Auschwitz deportiert worden waren.(Rajsfus, UGIE p. 153; Lajourmn- ade, Courrier p. 133). Bis 1943 wurden insgesamt 41. 951 Menschen in 43 Trans- porten aus Frankreich deportiert, von denen 1942 insgesamt 17.561(und 1944 weitere 3.056) als Häftlinge in Ausch- wit? registriert worden waren. Die ers- ten Postkarten wurden über die Keichs- vereinigung der Muden in Peutschland in Berlin-Charlottenburg unfrankiert an die Empfãnger weitergeleitet. Uber die UGIF vermutlich Mitte September 1942 vermittelte Postkarten hatten an der Stelle der Briefmarke die Korre- Sponden?-Registriernummer stehen so- wie einen„Rückanwort“-Stempel ohne Hinweis auf die Reichsvereinigung. Grundsätzich durften Häftlinge nur in deutscher Sprache an eine einzige Empfãngeradresse schreiben, gewöhn- lich an die nächsten Familien-An- gehörigen, die sowohl im Lager als auch in der Verteilungszentrale registriert war. Jüdische Häftlinge, deren An- gehörige untergetaucht waren, schrie-


