Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7
kemeldungen der Erschöpfungstod von Zwanzig bis dreißig Menschen ver- zeichnet.
An diesem Weihnachten kommt es besonders schlimm: 300 Frauen aus dem Kommando Weberei— sie ferti- gen dort Stoffe— erhalten den Befehl, sich Zu einem Bad in die Sauna zu mel- den. Ihre Kleidung wird ihnen abge- nommen, um sie zu desinfizieren. Nach der Dusche müssen sie nackt zurück in ihre Baracken gehen, barfüßig über die gefrorenen Lagerstraßen. Es ist ein weiter Weg, mindestens ein Kilometer. Und auch in den Baracken können sie sich nicht aufwärmen. Die Baracken sind unbeheizt, ungehindert pfeift der Wind durch die Ritzen zwischen den Bretterwänden. Fin strenger Winter in Auschwitz. In der Nacht fällt die Tem- peratur auf Minus 30 Grad. Stunden- lang müssen die Frauen auf neue Klei- dung warten. Die meisten von ihnen werden an Lungenentzündung er— kranken, viele werden sterben. Aber sie haben an Weihnachten gebadet, s0 wie es sich nach Meinung der 88 gehört.
Auch in anderen Teilen des Lagers wird die deutsche Ordnung eisern auft rechterhalten. In Monowitz etwa, dem Lager, wo die IG Farben synthetischen Brennstoff produziert. Das Lager wur- de immer wieder von den Alliierten bombardiert. Die Luftaufnahmen der Amerikaner dokumentieren das Aus- maß der Zerstörung, aber auch die Wiederaufbauanstrengungen der Deutschen. Jetzt im Dezember haben sie es fast geschafft. Was bedeutet das für die Häftlinge?
Bei den ersten Luftangriffen haben sie Zzum Beispiel die Säcke mit dem Phenylbeta aus den Magazinen her- ausgeschleppt. Dann wieder zurück, als die Luftangriffe aussetzten. Schließlich wurden die Magazine ge- troffen, und die Hãftlinge mussten die Säcke im Keller verstauen. Jetzt sind die Magazine repariert, und die Säcke müssen zurück. Jedes mal sechzig Kilo pro Sack. Die Chemikalie verätzt die Haut und Atemwege.„Aber nun“, s0 Schreibt Primo Levi,„hat der letzte Kampf begonnen. Und kein Zweifel kann mehr bestehen, dass es der letzte ist. In welchem Augenblick des Tages auch immer es uns geschieht, dass wir auf die Stimme unserer Körper hor- chen, dass wir unsere Glieder fragen, die Antwort lautet stets: die Kräfte werden nicht ausreichen.“?
Die Luftaufnahmen der Amerika- ner zeigen nicht nur die Reparaturar- beiten in den Fabriken von IG Farben. Sie Zeigen auch, wie in Auschwit?Bir- kenau die Abrissarbeiten vorangehen: Aber das heißt nicht, dass die Natio- nalsozialisten aufgegeben haben. Sie transportieren die Finrichtung der Krematorien II und III ab, um sie in den Konzentrationslagern Mauthau- sen in Osterreich und Großrosen in der Nähe von Breslau wieder aufzu- bauen. Dies zumindest sind ihre Pläne.
Auch in Auschwit? werden an Weihnachten Kinder geboren, gleich drei werden es am ersten Weihnachts- tag sein. Aber für sie gibt es keine Gnade, keine Hoffnung zu überleben. Es geschieht kein Weihnachtswunder für die Häftlinge von Auschwitz..


