Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 8
Wochen etwas nervõs war. Ich habe in den Zeitungen so viel darũber gelesen, dass der Antisemitismus in Deutsch- land und in Furopa wieder zunimmt.
Und es passiert nicht nur hier, son- dern auch in den Vereinigten Staaten, in Montreal, wo ich lebe, überall auf der Welt. Es ist nicht nur der alte Antisemitismus, den wir kennen, es ist auch eine neue Art von Antisemitis- mus. Wenn man heute etwas gegen die Juden sagen will und damit durch— kommen will, dann sagt man etwas Empõrendes gegen Israel.
Der Judenhass drückt sich heutzuta- ge in der Beschimpfung Israels aus. Als jemand, der in Auschwit? geboren wur- de, der seinen Vater und viele andere Familienmitglieder dort verloren hat, verzeihen Sie mir, wenn ich nicht schweigend bleibe, wenn so schreck- liche Dinge gegen Israel gesagt werden.
Natürlich kann man gewisse Dinge an Israel kritisieren. Oder an Kanada, wo ich lebe. Oder an jedem anderen Land, das es gibt. Sogar Juden kritisie- ren Israel. Das passiert ständig. Aber 8o viele Aussagen über Israel über- schreiten wirklich eine Grenze, die nie überschritten werden darf.
Israel begeht keinen Massenmord, Assad im benachbarten Syrien schon. Israel hetzt Kinder nicht dazu auf, Raketen auf Kindergärten zu werfen, die Hamas im Gazastreifen tut es. Israel ist keine Gefahr für den Welt- frieden, aber der Iran ist eine Gefahr.
Die Menschen schweigen, wenn Tausende in Afrika oder in Asien getõᷓ⸗ tet werden. Aber solange sie Israel— und den Juden— die Schuld für alles
Angela Oros?-Richt. Foto: Eva Oertwig/IAK
Schlechte in der Welt geben können, fühlen sie sich rechtschaffen. Oder Selbstgerecht, würde ich sagen. Israel wurde auch von Uberlebenden des Holocausts aufgebaut, von Menschen, die das Schlimmste durchgemacht haben, was einem Menschen passieren kann, und die unglaublich viel Glück hatten, zu überleben. Wir Uberleben- den sind So stolz auf das, was Israel heute ist.
Wir kõnnen versuchen, fair zu sein. Wir können versuchen, aufgeschlos- sen und nicht voller Vorurteile zu sein. Und deshalb möchte ich Sie um einen Gefallen bitten: Versucht immer, fair zu sein. Bleiben Sie aufgeschlossen. Bleiben Sie neugierig. Entscheiden Sie sich selbst. Stecken Sie die Leute nicht wegen ihrer Religion oder ihres Aus- schens in Kisten.
Und schließlich: Bitte beweist Menschen wie mir, all denen, die glau- ben, dass der Holocaust wieder passie- ren kann, dass wir uns irren. Beweisen Sie uns das Gegenteil!
Ich bin ermutigt, wenn ich sehe, dass Menschen auf die Straße gehen, um Juden zu verteidigen, um Solida-


