Heft 
(2020) 2/2020. Dezember 2020
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4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Geboren im Dezember 1944 in Auschwitz

Um den 21. Dezember 1944 wurde Angela Orosz-Richt in die Welt von Ausch- witz hineingeboren. Das Schicksal der Kinder, die im Lager geboren wurden, war das Zentrale Thema der Gedenkveranstaltung des Internationalen Ausch witz Komitees Zzum 75. Jahrestags der Befreiung von Auschwit?-Birkenau. Sie fand in Berlin am 23. Januar 2020 unter großer Beteiligung der Offentlichkeit statt. Ge widmet war die Veranstaltung den Stimmen der Uberlebenden und der aktuel- len Auseinanderset?ung mit Antisemitismus und rechtsextremem Hass.(Der fol- gende Text besteht aus Auszügen aus der Rede von Angela Orosz-Richt.)

Heute bin ich selbst Großmutter, sogar Urgroßmutter von einigen Kin- dern. Ich fühle mich für ihre Zukunft verantwortlich, wie Roman Kent ein- mal sagte:Wir wollen nicht, dass un- vere Vergangenheit die Zukunft unserer Kinder ist. Der Holocaust muss ge- lehrt werden, man muss sich an den Holocaust erinnern und daraus lernen.

Ich erzähle die Geschichte meiner Mutter, damit sie nicht vergessen wird. Meine Mutter hat nie mit jemandem über diese Gräuel gesprochen. Fine innere Stimme sagte ihr, dass niemand diese Erfahrungen verstehen könne, außer denen, die sie erlebt haben. Es ist Sinnlos, darüber zu reden, nicht ein- mal ich würde sie für wahr halten.

Als Uberlebende sagte Esther Bauer:Die ersten 20 Jahre Konnten wir nicht darüber reden, die nächsten 20 Jahre wollle niemand davon hören, eyst in den nächsten 20 Jahren began- nen die Menschen, Fragen zu stellen.

Elie Wiesel schrieb einmal: Es giht viel zu tlin, es giht viel, wus man tlun Kann. Eine Peron,. eine Person von In- tegrität Kunn einen Unterschied machen, einen Untemchied von Leben und Jod.?

Meine eigenen Kinder haben im-

mer mit den Augen gerollt, wenn ich ihnen gesagt habe, dass der Holocaust wieder passieren könnte. Aber heute bin ich mehr als früher davon über- zeugt, dass er sich wiederholen kann.

Seit 1945 haben wir mehrere Völ- kermorde gesehen. Menschen wurden zu Tausenden, Hunderttausenden er- mordet! In Ruanda. In Srebrenica. In Syrien. An so vielen anderen Orten. Und der Antisemitismus, die älteste Form des Rassenhasses, Tausende von Jahren alt, ist immer noch lebendig. Es gibt immer noch Menschen, die glau- ben, dass alle Juden reich sind. Pass die Juden zZu einflussreich sind. Dass Juden die Medien oder die Wall Street leiten. Das Internet ist voll von diesem Müll. Es verbreitet sich wie Buschfeuer, es bleibt weitgehend unkontrolliert.

Als Juden hassen wir Deutschland nicht, wir hassen überhaupt nicht, un geachtet dessen, was uns angetan wur- de. Aber wir machen uns Sorgen, wenn wir sehen, wie dieser alte Hass gegen uns in den Straßen Berlins, in den Straßen Dresdens wieder auftaucht. Wir schütteln ungläubig den Kopf, wir bekommen Angst, wirklich Angst. Ich muss gestehen, dass ich in den letzten