6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
verhältnismäßig in den Hintergrund gedrängt und andere Revolten in der Geschichte Auschwitz-Birkenaus rela- tiviert werden. Tatsächlich werden die Revolte und Massenflucht der Straf- kompanie am 10. Juni 1942, die Mas- senflucht sowjetischer Kriegsgefange- ner am 6. November 1942 und der Auf- stand im„Zigeunerlager“ am 16. Mai 1944 an Stelle eines differenzierten Vergleichs im Buch gänzlich ver- Schwiegen.
So gelangen die Verfasser zu dem falschen Schluss und der maßlosen Ubertreibung:„Man darf nicht verges-
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Am 07. 10. 1994 an Block 27 im Museum Ausch- witz wurde zu Ehren von Roza Robota, Ala Ge- rtner, Fster Wajchlum und Regina Safirs?ztajn? eine Gedenktafel eingeweiht. O A. Kilian
Sen, dass dies nicht nur der erste und einzige Aufstand in Aluschwitz wln Sondern auch die einzige Massenflucht aus dem Lager“(S. 371, Anm. 352). Im Gegensatz zum gescheiterten Sonder- kommando-Aufstand gelang jedoch einzelnen Teilnehmern der beiden ers- ten Massenfluchten sogar ein erfolg- reicher Ausbruch. Auschwitz-Birkenau als„Schreck- lichste Vodes fabril“(S. 10) oder „chrecklichstes aller Lager“(S. 75) zu bezZeichnen, ist zudem eine fragwür- dige Wertung vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von nationalso- zialistischen Vernichtungslagern, die grundsätzlich und schlussendlich nicht weniger„Schrecklich“ oder tõd- lich waren. Die Auschwitz-Uberle- bende Ana Novac kritisierte zu Recht in ihrem Buch„Die schönen Jage meiner MMgend“„Als gäbe es wlirdige nd weniger würdige Massenmorde, herausragende Opfer und belanglo— e. Greif und Levin bringen in ihrem Buch hingegen ihr eigenes Verständ- nis einer„gebührenden“ Würdigung der Opfer und des Aufstands zum Ausdruck: Neben wiederholten Glo- rifizierungen und Heroisierungen der Widerstandsaktivisten(S. 100, 124, 174, 243, 301) beschreiben sie„eine wunderbare Geschichte von Mut und Hingabe“(S. 155). Nach der wörtli- chen Verwendung eines aus sieben
*PDie vier Hãftlingsfrauen schmuggelten aus den Weichsel-UnionMetallwerken, wo Seit Oktober 1943 Zünder für Artilleriegeschosse produziert wurden, u. a. über die- Bekleidungskammer in Birkenau Schwarzpulver zu den Häftlingen des Sonder- kommandos. Die Frauen wurden verhaftet und im Januar 1945 auf dem Appellplat? der Stammlagererweiterung vor den Augen der Häftlinge am Galgen hingerichtet.


