Heft 
(2019) 1/2019. September 2019
Einzelbild herunterladen

6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

verhältnismäßig in den Hintergrund gedrängt und andere Revolten in der Geschichte Auschwitz-Birkenaus rela- tiviert werden. Tatsächlich werden die Revolte und Massenflucht der Straf- kompanie am 10. Juni 1942, die Mas- senflucht sowjetischer Kriegsgefange- ner am 6. November 1942 und der Auf- stand imZigeunerlager am 16. Mai 1944 an Stelle eines differenzierten Vergleichs im Buch gänzlich ver- Schwiegen.

So gelangen die Verfasser zu dem falschen Schluss und der maßlosen Ubertreibung:Man darf nicht verges-

F 5

2

5

2

Am 07. 10. 1994 an Block 27 im Museum Ausch- witz wurde zu Ehren von Roza Robota, Ala Ge- rtner, Fster Wajchlum und Regina Safirs?ztajn? eine Gedenktafel eingeweiht. O A. Kilian

Sen, dass dies nicht nur der erste und einzige Aufstand in Aluschwitz wln Sondern auch die einzige Massenflucht aus dem Lager(S. 371, Anm. 352). Im Gegensatz zum gescheiterten Sonder- kommando-Aufstand gelang jedoch einzelnen Teilnehmern der beiden ers- ten Massenfluchten sogar ein erfolg- reicher Ausbruch. Auschwitz-Birkenau alsSchreck- lichste Vodes fabril(S. 10) oder chrecklichstes aller Lager(S. 75) zu bezZeichnen, ist zudem eine fragwür- dige Wertung vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von nationalso- zialistischen Vernichtungslagern, die grundsätzlich und schlussendlich nicht wenigerSchrecklich oder tõd- lich waren. Die Auschwitz-Uberle- bende Ana Novac kritisierte zu Recht in ihrem BuchDie schönen Jage meiner MMgendAls gäbe es wlirdige nd weniger würdige Massenmorde, herausragende Opfer und belanglo e. Greif und Levin bringen in ihrem Buch hingegen ihr eigenes Verständ- nis einergebührenden Würdigung der Opfer und des Aufstands zum Ausdruck: Neben wiederholten Glo- rifizierungen und Heroisierungen der Widerstandsaktivisten(S. 100, 124, 174, 243, 301) beschreiben sieeine wunderbare Geschichte von Mut und Hingabe(S. 155). Nach der wörtli- chen Verwendung eines aus sieben

*PDie vier Hãftlingsfrauen schmuggelten aus den Weichsel-UnionMetallwerken, wo Seit Oktober 1943 Zünder für Artilleriegeschosse produziert wurden, u. a. über die- Bekleidungskammer in Birkenau Schwarzpulver zu den Häftlingen des Sonder- kommandos. Die Frauen wurden verhaftet und im Januar 1945 auf dem Appellplat? der Stammlagererweiterung vor den Augen der Häftlinge am Galgen hingerichtet.