Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 8
Vom einseitigen Umgang mit historischen Quellen
Uber die Auswirkungen von Quellenauswahl, Zitierweise und Ubersetzung auf die Darstellung von Auschwitz, am Beispiel der Monografie„Aufstand in Auschwitz“*
Von Andreas Kilian
Gideon Greifs und Itamar Levins Buch„Auftand in Auschwitz“, das zum 70. Jahrestag des historischen Er- eignisses verõffentlicht werden sollte und ursprünglich vor über dreißig Jahren geplant wurde, entstand inner- halb von drei Monaten und erschien schlieBlich im Oktober 2015 mit dem Ziel, der Revolte den„gebührenden Plat?“(S. 11) in der Forschungslitera- tur zu verschaffen. Dass dies seit über 50 Jahren bereits mehrfach unter- nommen wurde, davon erfahren die Leser allerdings nichts.
Das Buch rekonstruiert den Auf— stand einzelner Häftlinge der jüdi- schen Sonderkommandos in den Kre- matorien von Auschwitz-Birkenau am 7. Oktober 1944 sowie dessen Vorge- schichte und seine Folgen. Dabei fol- gen die Autoren primär der Betrach- tungsweise des Auschwitz- Uberleben- den und Historikers Israel Gutman („Menschen und Asche“, hebräische Erstausgabe 1957), der den Aufstand als„Wahrzeichen der Kache und Er- muligung für die Hftlinge“ und als
Beweis,„dass die Juden um ihr Leben Kcimpfen Konnten“(S. 303) bewertet Sowie der Darstellung der jüdischen Widerstandsbewegung in Auschwit?- Birkenau durch den polnischen Histo- riker Ber Mark in dessen Buch„The Scrolls of Auschwitz“(jiddische Erst- ausgabe 1977) und seinem Antisemi- tismus-Vorwurf gegenüber nichtjüdi- schen polnischen Hãäftlingen(S. 87 f.).
Greif und Levin bewerten das Freignis singulär als„einzige(n) Auft and, den es im Vernichtungslager Alischwilz-Birkenau, dieser größten ind schrecklichsten Vodesfabri in der Geschichte der Menschheit, gegeben hat.“(S 10, vgl S 302) ind als„Sieg des Geistes liber diejenigen(...), die alle existierenden menschlichen Werte ver- achtelen, einen Sieg der Moral über die- jenigen, die die hestialische Natur zu inrem Ziel wihlten.“(S. 11).
Die Aufständischen bezeichnen sie als„die ungliicklichsten der unglüick- lichen Kreaturen, die Unterdriicktesten der Unterdrickten“(S. 10). Im Rahmen dieser unangebrachten Polarisierung besteht allerdings die Gefahr, dass die Leiden von Auschwitz-Häftlingen außerhalb des Sonderkommandos un-
* Gideon Greif, Itamar Levin: Aufstund in Auschwitz. Die Revolle des Jüdischen ondericommandos' am 7. Oktober 10dd. Köln, Weimar, Wien, Böhlau Verlag, 2015


