2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
sie bluten noch immer. Alle totge- macht im Lager, niemand übrig— geblieben, außer mir. Gottes Wille, und keiner weiß, warum.
Wir schweigen, er ist weit weg mit seinen Gedanken. Wir müssen jetzt ge- hen, sagt Hermann leise, die Taxis war- ten. Amsel Cymerman steht auf, legt seine Hand auf die Thora, küßt uns auf᷑ die Stirn. Pann umarmt er uns und weint. Unser Aufbruch ist eine Fucht. Wir lassen den weinenden Mann al- lein. Er schiebt uns aus der Tür und sagt grüßt alle Kinder von mir, die Hoffnung sind die Kinder. Hermann reibt sich die Augen und gibt mir sein Taschentuch. Komm, wisch' die Tränen ab, wir fahren weiter.
Mas war im Ohktober I962 Monihka Meld herichtete in einer Sendung des Nessischen RundfiunMs.
Ostern 1986— wir sind wieder in Lodz, und wieder wollen wir Amsel Cymerman ein Paket bringen. Der Bus mit unseren Reiseteilnehmern hält bei der ul. Piotkonska Nr. 31. Eine Delegation mit Kie- Selotte aus Frank- furt, Erwin aus Gießen, Gerhard aus Hamburg und Hermann sollen das Paket überrei- chen. Die alten Zinskasernen aus der Zeit um die Jahrhundertwende schen alle gleich aus, auch die Hin-
Hermann sagt, hier ist es. Hier auf Stie- ge 7 im 1. Stock muß er wohnen. Der muffige Geruch ist derselbe, das Stie- genhaus sieht noch immer so desolat aus. Wir fragen nach Cymerman, aber niemand kennt ihn.— Wir haben uns geirrt, er wohnt auf Nr. 33. Dieselbe Stiege 7 im 1. Stock. Es riecht genauso, wie im vorigen Haus. Es ist feucht, ei- ne dumpfe, stickige Luft.
Wir stehen vor der Türe, klingeln, aber niemand õffnet. Wir warten und überlegen, was wir tun sollen. Nach ei- nigen Minuten kommt eine junge Frau. Wir fragen nach Amsel Cymer- man. Pr lebt nicht mehn er ist Schon jange tol. Ich hin veine Vochten wir ha— hen durch Zufall im Haus eine Woh— nng erhalten.“- Wir alle sind schockiert. Wir geben, nein, wir drän- gen das Paket der jungen Frau auf und verlassen fluchtartig das Haus.
Als wir wieder im Bus sind, wird Hermann mit Fragen bestürmt, aber er kann kaum sprechen. Mühsam sagt er: Wir vind zu pdt gelcommen—Am- vel leht nicht mehr*
terhöfe sind gleich. Hermann mit Staszek Hantz und einem weitern Kameraden


