Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9
beruht offenbar ausschließlich auf der Namensnennung„Monsieur Her- mann in dem Brief des Ministeriums und ist reine Spekulation. So war Chaim der einzige verfügbare„Mon- vieur Herman“ auf der Deportations- liste des 49. Transports aus Drancy, auf der auch der Verfasser des Briefs ge- standen haben muss. Die Begründung Danuta Czechs, dass„ die in diesem Ah- Schiedshrief an seine Gattin und seine Vochter angesprochenen Jatsachen und Geschehnisse“ die Feststellung erlaub- ten, bei dem Verfasser handle es sich um Chaim Herman, ist kaum nachvoll- zichbar(„Uher die Handschrift von Chaim Herman“, in: Inmitten..., S. 257).
Untermauert werden sollten die Personenzuordnung sowie die Feststel- lungen der Historiker des Auschwit?- Museums durch„neueste Informatio- nen“(Erstausg., S. 175, Anm. 1.), die kur? vor der Erstverõffentlichung des Briefs in polnischer Sprache, am 11. März 1971, von dem Hinder des Briefs, dem Chirurgen Andrzej Zaorski, ge- wonnen werden konnten(APMA-B, Sammlung Aussagen, Bd. 70, S. 212 213). Zaorski, der das Manuskript während seines Aufenthalts in Ausch- wit? Zwischen dem 6. und 20. Februar 1945 gefunden hatte, geht in seiner Aus- Sage gegenüber der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. Jadwiga Bezwinska allerdings mit keinem Wort auf den Na- men dess Autors oder überhaupt aufei- nen Namen ein. Erst am Ende der Nie- derschrift seiner Aussage heißt es: „Nachdem mir der polnische Tert von Chaim Hermans Brief gezeigt wurde, Selle ich fest duss dies der Inhalt die-
Ses Briefes is den ich im Fehruar 1945 in einer Flasche auf den Haufen menschlicher Asche in Birkenau fand, den ich in diesem Bericht ausfiihrlich heschrieh.“
Der ursprüngliche Wortlaut„dass dies derselbe Brief ist“ wurde hand- schriftlich korrigiert und in„ dass dies der Inhalt dieses Briefes ist“ geändert.
Bislang gibt es weder einen unwi- derlegbaren Beweis dafür, dass Chaim Herman der Verfasser des Briefs ist, noch dass er ũberhaupt ein Hãäftling des Sonderkommandos war. Allerdings gibt es schlüssige Argumente für die Identifizierung eines anderen Hãftlings als Verfasser des Briefs, der nachweis- lich im Sonderkommando eingesetzt worden war.
Aus der überlieferten Abschrift des Briefs lassen sich folgende personenbe- Zogenen Informationen entnehmen, die bei der Identifiierung des Verfassers ei- ner Uberprüfung standhalten müssen: Abfahrtsort und datum des Deportati- ons?zugs, Wohnort der Familie in Polen, ungefähres Alter und Aussehen des Verfassers, Name und ungefãhres Ater der Tochter, Namen von Bekannten und Freunden, die als Referenzen die- nen könnten. Darüber hinaus enthält der Brief wichtige Informationen über Frau und Tochter, aus denen Rück- Schlüsse geZogen werden können.
Deportationsherkunft des Verfassers und Selektion Zzum Sonderkommando: Der Verfasser ist laut eigenen Anga- ben am 2. März 1943 aus Drancy deportiert worden und am Abend des 4. Mär? in Auschwit?z angekommen.


