30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
weil wir S0 Vieles wisen üher die unvor- Sellbaren Methoden ihrer Misshand- lungen und Vergeltungsalktionen.“
Der von Nadjary erwähnte Trans- port erreichte Auschwit?-Birkenau am 30. 10. 1944. Zwischen dem 29. 9. und 30. 10. 1944 trafen mindestens 18.400 Menschen aus dem Ghetto Theresien- Stadt in Auschwitz-Birkenau ein.
Laut einer auf dem Krematoriums- gelände ausgegrabenen„Kremie- rungs-Liste“, die dem Sonderkomman- do-Hãäftling Lejb Langfuß zugeschrie- ben wird, sind im Oktober 1044 schät- zungsweise 15.500 Deportierte aus Theresienstadt in den Krematorien I und II, davon 7.000 Menschen in dem Krematorium(II), in dem Nadjary ein- geset?t wurde, vergast worden. Der letzte, am 30. 10. 1944 in Auschwitz ein- getroffene Transport aus Theresien- Stadt fehlt auf Langfuß“ Liste. Offenbar wurde ein Jeil der Deportierten in das Birkenauer Durchgangslager ohne Re- gistrierung verbracht und nicht vergast.
Das„Kalendarium Auschwitz“ da- tiert die Finstellung der Vergasungen in Auschwit? auf den 2. 11. 1944. Ne- ben der Langfuß-Kiste belegt nun auch Nadjarys Brief als Zweites glaub- würdiges schriftliches Zeugnis aus dem Sonderkommando, dass die Ver- nichtungsaktionen bereits vor dem letzten Zugang aus Theresienstadt eingestellt worden waren.
Aktuellen griechischen Untersu- chungen zufolge seien jüngst noch weitere Stellen in Nadjarys Brief ent- ziffert worden, darunter wohl auch das Datum 3. 11. 1944. Wenn dies zu- träfe, liegt der Schluss nahe, dass der
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Erstveröffentlichung von Brief-Auszügen in der griech. Zeitung Rizospastis, 22. 4. 1982
ext nicht an einem Tag(30. 10. 1944) geschrieben und beendet worden ist.
Der Fall Nadjary lässt auf die Er- langung noch weiterer neuer Er— kenntnisse hoffen. Finzigartig an Nad- jarys Jext ist auch, dass sein Verfasser als einziger Sonderkommando-Häftling, dessen vergrabene Schriften entdeckt worden sind, das Kriegsende überlebt hatte und im Jahre 1947 sogar seine Er- innerungen in einem 38seitigen Manu- Skript dokumentierte, das 1989 erstmals aus?ugsweise in der griechischen Erst- ausgabe von Berry Nahmias Buch„4 Cr) for Vomorrow 76...“ vund Schließlich 1991 vollständig in Nadjarys Buch, Chronico*(beides in Griechisch) verõffentlicht wurde. Die Erinnerungs- Schrift aus der Nachkriegszeit bestätigt einerseits in den meisten Fãllen die An- gaben im Krematoriums-Brief und er- gänzt sie auf der anderen Seite auf be- eindruckende Weise. Es bleibt zu hoffen, dass Nadjarys Gesamtwerk zukünftig auch in Deutschland verlegt wird.


