Heft 
(2017) 2/2017. Dezember 2017
Einzelbild herunterladen

Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31

Hervorgehoben werden sollte auch, dass Nadjarys Brief ein wahr- haft vergessener Schat?z war. Sein Ver- fasser verriet weder während seiner Hãäftlingszeit noch danach Kamera- den, Freunden, Bekannten und noch nicht einmal Familienangehörigen, dass er einen Brief in der Erde des Krematoriumshofs vergraben hatte. Nadjary erlebte die Entdeckung sei- nes Briefs tragischerweise nicht mehr.

Mit Polians Veröffentlichung in der VfZ liegt Nadjarys Brief nun auch erstmals in fast vollständiger deut- scher Ubersetzung vor. Im Gegensatz zu anderen Schriften von Sonder- kommando-Chronisten, die nach Kriegsende aufgefunden werden konnten, war Nadjarys Brief das am wenigsten beachtete Zeugnis. Zu Un- recht, wie der jetzt Zugängliche Text beweist.

Zur Mythologisierung eines griechischen Helden des Widerstands

Der Auschwitz-Flüchtling Alberto Errera

Von Andreas Kilian

Im Schatten des Rechtsrucks in Furopa erscheinen 2017/2018 in Grie- chenland drei bedeutende Werke über Auschwit?: Leon Cohens erstmals 1906 in englischer Sprache verõffentlichtes Buch From Greece 10 Birkenau, Mar- cel Nadjarys erstmals 1991 publiiertes BuchChronico, beide Werke von Uberlebenden des Sonderkommandos verfasst und in ergãn?ter und überarbei- teter Fassung editiert, sowie George Pilichos erste umfangreiche Gesamtdar- stellung des Schicksals griechischer Juden in Auschwitz mit dem Fitel AUCWTE Greelcs, Mumbers Condemned 0 Peum als Späte Revisi- on des 2000 vom Hellenic Ministry of Freign Afninm herausgegebenen fehler- haften BuchsCreelks in Auschwitz-Bir- Kenau von Photini Tomai. In allen drei Werken wird ein Mann namens Errera erwähnt, der im August 1944 als Sonder- kommando-Häftling für seine spekta-

kuläre Hucht vom Ort der Asche-Be- Seitigung an der Weichsel berühmt geworden war, die er nicht überlebte.

Zudem wurden im Internet mehre- re Beiträge über Errera veröffent- licht, die biografi- sche Angaben ent- halten, welche von Familienangehörigen Erreras nicht be- stätigt werden können. Sie folgen einer Tradition, die bis in die 1940er Jahre zurũckverfolgt werden kann. Im Folgen- den werden ausgewählte Beispiele des internationalen Heldengedenkens an Frrera(der auch mit den Vornamen Alekos oder Alex erwähnt wird) und Seiner Dynamik untersucht.

Das Fucht-EFreignis konnte 1044 von vier überlebenden Augenzeugen be-

Aberto Errera(o.J., mit freundl. Gench- migung seiner Nichte Matthildi Eskinatzi)