Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23
Zwei Bauernhäuser in Birkenau Die Geschichte vom Roten und vom Weißen Haus
Der industriell betriebene Massenmord in Auschwit?-Birkenau begann im Stamm- lager mit der Vergasung von sowjetischen Kriegsgefangenen und kranken polni- schen Häftlingen in den Kellern von Block 11 und dann in dem zur Gaskammer umgebauten Leichenkeller des Krematoriums I. Bevor dann in Birkenau die großen Krematorien II-V mit Gaskammern gebaut waren, wurden die zur Ver- nichtung bestimmten Menschen in provisorischen Gaskammern, den sogenannten Bunkern 1 und 2, ermordet. Das war eine weitere wichtige Phase bei der Perfektio- nierung des industriell und nach staatlicher Weisung vollzogenen Völkermordes.
Von Alexander Woff
Da ab Frühjahr 1942 die Zahl der Deportationen von Juden nach Ausch- wit? stãndig Zunahm, hatten die Deut- schen einige praktische Probleme zu lõsen. Das Krematorium im Stammla- ger mit nur einer einzigen Gaskammer hatte nicht genügend Kapazitäten (340 Leichen pro Tag), den Massen- mord in dem von den Dienststellen im Berliner Reichssicherheitshauptamt (RSHA) vorgege benem Tempo Zu be- wältigen. Lagerkommandant Rudoff Höß, der für die Deportationen zu— ständige Adolf Eichmann und SS-Ge- neral Hans Kammler, der als Archi- tekt für die Planung und den Aufbau Sowie die Oberaufsicht über alle La- gerbauvorhaben inklusive Gaskam- mern und Krematorien zuständig war, bestimmten deshalb als Standort für eine neue weitere Vernichtungsanlage das Dorf Brzezinka(Birkenau).
Dort fiel die Wahl auf ein verlasse- nes Gehöft, das einem polnischen Bau- ern gehört hatte. Es war abgelegen, von Hecken und blühenden Bäumen um- geben und nicht weit von der Bahn ent-
fernt. Das Innere dieses sogenannten kleinen roten Hauses wurde in wenigen Wochen Zu zwei Gaskammern umge- baut, die am 20. März 1942„in Betrieb gingen“. Die S8 bezeichnete diese Ver- nichtungsstätte als Bunker 1.
Höß rechnete mit ungefähr 800 Menschen, die hier bei einer„Aktion“ durch Gas(Zyklon B) getötet werden könnten. Dazu wurden in dem Haus zwei Zwischenräume entfernt, die Fen- sterõöffnungen zugemauert und die Zu- gänge abgedichtet. Um das Zyklon B einzuwerfen, wurden an der Außen- wand für jede der Gaskammern zwei Offnungen angebracht. Zur Täuschung der Opfer waren auf den Türen Schilder mit der Aufschrift„Zur Desinfektion? befestigt. Die Häftlinge bezeichneten das Haus wegen seiner roten Ziegel- Steine als„das kleine Rote Haus?.
In den ersten Monaten wurden die Deportierten nach dem Ausstieg an der alten Judenrampe ohne Selektion di- rekt in das Rote Haus„geleitet“. Ab Nu- li 1942 wurden dann Selektionen durch- geführt. Von den Angekommenen wurden regelmäßig nur 25 bis 30 Pro- zent als Arbeitskräfte ins Lager einge-


