22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
vW und die Ofen in den Birkenau-Baracken
Zum Mltagswissen gehört, dass Archive und Sammlungen immer wieder Neues oder Erstaunliches zu Jage fördern. Dass an viel besuchten, durchsuchten und untersuchten Orten Uberraschen- des gefunden wird, ist erstaunlich.
Wieslaw Swiderski, unser Guide in Auschwitz, von dem die Gruppen im- mer den Findruck haben, dass er je— des Detail kenne, erzählte uns während der Führung durch Bir— kenau, Zzwei Mal hätten ihn Jugendli- che in der Kinderbaracke im Frauen- lager gefragt, was es mit den Metall- teilen— vermutlich von Ofen— dahin- ten in der Ecke auf sich habe, auf de- nen doch das VW.Signet zu sehen sei.
Die ersten Frager wimmelte er noch ab, das gebe es hier nicht. Zum zweiten Mal gefragt, reagierte er wie- der abweisend, ließ sich aber zu den bewussten Ecken hinführen. Tatsäch- lich zeigten ihm die Jugendlichen die unscheinbaren Teile. Sie waren viel- leicht nur deswegen auf sie aufmerk- Sam geworden, weil ihnen das VWSig- net aufgefallen war. Die Jugendlichen gehörten zu einer Gruppe von VW. Auszubildenden, wie sie der Konzern Seit Jahren in die Gedenkstätte Ausch- witz führt, wo sie über Auschwitz ler- nen und ihre berufliche Kompetenz einsetzen bei der Pflege, Reparatur, Si- cherung und Konservierung der Reste von Stammlager und Birkenau.
Die Recherchen von Wieslaw Swie- derski ergaben: VW hat 1941/42 220.000 solcher Ofen für die Organisation Todt produziert. Sie sollten an die Ostfront
EFiner der alten Ofen mit dem VWSignet.
geliefert werden. Offensichtlich hat die Lieferfirma Ofen für Birkenau abge- zweigt. Für VW bedeutete diese Pro- duktion 6 Mio Bruttoeinnahmen und 2Mio Nettogewinn. In einer der zahlrei- chen Veröffentlichungen zur Zwangsar- beit bei VW finden sich Fotographien, auf denen die Ofen und Arbeiter bei de- ren Produktion zZu sehen sind.
Immer wieder finden sich Belege— nicht nur für den Terror und die Ver- brechen des NS-Staates, sondern auch dafür, dass die Kiste der Profiteure des NSMord- und Kriegsregimes sich liest wie das„Who is Who“ der bun- desrepublikanischen Wirtschaft.
Uwe Hartwig


