Heft 
(2017) 2/2017. Dezember 2017
Einzelbild herunterladen

Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19

listischen Vodeslager, Paris 2004). Die- 8es Buch beschäftigt sich mit deportier- ten Widerstandskämpfern, die in Kon- zentrationslagern inhaftiert waren. Maurice Cling war Professor für Anglistik und von 1997 bis 2006 Präsi- dent der franzõsischen Vereinigung der Deportierten und internierten Wider- StandsKmpfer(Fédération Nationale des Déportés et Internés Rébistunts et Pa⸗

triotes*) und damit auch über seine eige- ne Geschichte hinaus ein Bewahrer der Frinnerung an Auschwitz.

Der folgende Bericht über Clings Zeugnis ist auch das Portrãt eines enga- gierten Menschen und Zeitzeugen, der sein Wissen vor allem an junge Men- schen seit vielen Jahren öffentlich und unermüdlich weitergibt.?

Andreas Kilian

Maurice Cling-ein Kind in Auschwitz Portrait und Buchbesprechungvon Maryvonne Braunschweig

Zunächst handelt es sich um das Zeit- zeugnis eines sehr jungen Heranwachsen- den, am Anfang und am Ende des Buchs blickt dann aber auch mittels persönli- cher Reflexionen der reife Erwachsene auf sein Erleben als Jugendlicher Zurück. Maurice Qling war im achten Schul- jahr, als er in seiner Klasse der Fcole Lavoisier im 5. Arrondissement am Tag Seines 15. Geburtstags, dem 4. Mai 1944, von den Deutschen verhaftet wurde. Mit seinem älteren Bruder Willy, kaum 17, Sseiner Mutter Simone, 41, und sei- nem Vater Jacques, 50, vor Jahren aus Rumänien eingewandert, franzõsischer Staatsbürger, freiwillig in den Ersten Weltkrieg gezogen und mehrfach aus- gezeichnet, wird er in Drancy interniert und am 20. Mai 1944 mit dem Transport Nr. 74 nach Auschwit? deportiert. Maurice wurde im engen Familien- kreis großgezogen, besonders beschüt?t und verhätschelt von seiner Mutter. Die BesetZung und die antisemitischen Ge- Setze zwingen seinen Vater, sein Kürsch- nergeschäft aufzugeben undillegal zu Hause zu arbeiten. Die ganze Familie

Maurice Cling berichtet anläßlich der Filmvorstellung zuJ faudru ruconten.. (Regie: Daniel und Pascal Cling, 2004, 37 minutes, Iskra Arte: Archiv Cling).

muss ab Mai 1942 den gelben Stern tra- gen, aber Maurice leidet nicht wirklich darunter. Er ist noch ein Kind, dessen Le- benskreis sich auf die Familie, die Schule, die Lehrer beschränkt, und vor allem auf Seine Mitgliedschaft bei den israelitischen Pfadfindern, die ihm so viel bedeutet.

So jst er wirklich võllig naiv als er in Auschwitz ankommt. Umso brutaler ist der Schock. Gleich bei der Ankunft auf

Pin Interview mit Maurice Cling ist online unter folgendem Pfad verfügbar: wwwsueddeutsche. de/politik/kKZ-ueberlebender-maurice-cling-kz-ueberlebender-

maurice-cling-1. 1109860