Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15
Stadt deportiert, das als„Wartezimmer des Todes“ galt.
Zu diesem Zeitpunkt waren die S8— Bewacher von Auschwit?z bereits geflo- hen, das Konzentrationsla- ger war am 27. Januar von der Roten Armee befreit worden. Die Organisatoren des Holocaust hatten jedoch zuvor schon festgelegt, dass die Bärs und die anderen mit dem Jransport NUMO von Frankfurt aus Depor- tierten am 9. Mai in Ausch- wit? hätten vergast werden Sollen. Dies hatte Norbert Bãär erfahren, als er nach der Befreiung von Theresien- stadt am 8. Mai bei der Erledigung der hbürokratischen Formalitäten wegen der Rückkehr nach Frankfurt in der Kom- mandantur die Gestapo-Akten einsehen konnte.
Finen Tag, bevor sie eigentlich in Auschwit? in die Gaskammer geschickt werden sollten, konnten die Bärs die Rückkehr nach Frankfurt antreten. Von den Großeltern, die bereits 1942 nach Thersienstadt deportiert worden waren, überlebte nur Norbert Bärs Mutter die Lagerhaft.
Die Täter hatten weder Rücksicht auf Kinder noch Senioren genommen, sie quãlten und schlugen tagsüber Menschen tot, und am Abend feierten sie oder er- holten? sich bei klassischer Musik. S0 wie eine Aufscherin in ihrer Baracke im K?Z Theresienstadt, die die kKleine EFdith zur Strafe einen Jag lang ohne Trinken und Esen den Holꝰfußboden schrubben ließ. „Man nahm lns jede Wirde. Wir durften noch nicht einmal die Vür vom WC Schließen. Ich werde nie veylehen, welche Menschen diese Alßeher wuren.“
Fdith Erbrich in Bad Vilbel
In Thersienstadt bestimmten Angst, großes Heimweh, Stundenlanges strapa- ziqses Stehen in der Kälte, das Einteilen der Essensrationen und vor allem der „Mingen der immer da war“ das Leben von Edith und den anderen Mäd- chen.„ Es haben sich Dinge ereignet, die nimmt einem niemand ab“, kann es EFdith Erbrich noch heute kaum glauben. Und dies geschah nicht nur in The— resienstadt, sondern be— reits Zuvor in Frankfurt, wo Nachbarn als schadenfro- he Gaffer den Abtransport der Familie beobachteten.
EFdith Erbrich schildert aber nicht nur die unvorstellbaren Schrecken, die sie durchlitt, Sondern berichtet auch von, Sillen Nelſern und Helden“ die dem Ierror unter Gefahr ihres eigenen Lebens Menschlich- keit und Wãrme entgegenset?ten.
Mit ihrem Engagement als Zeitzeugin will sie die Perspektiven der Opfer und ihrer Nachkommen in den Mittelpunkt stellen und nicht die der Täter. Das An- liegen von Fdith Erbrich ist, dass sich Kinder und Jugendliche mit ihrer Hilfe ein Bild von diesem menschenverachten- den Teil der deutschen Geschichte ma- chen können. Deshalb begann 2001 nach ihrer Erwerbstätigkeit ihr Zweites Leben als Zeit?eugin. Am 4. Oktober 2007,„dm Gehlirtstug meines Papas“, erhielt Edith Erbrich das Bundesverdienstkreuz.
Christine Fauerbach
Pdith Erbrich hat ihre Lebensge- schichte dem Journalisten Peter Holle erzählt. Sie wurde 2014 veröffentlicht: „JCh hah' das Lachen nicht verlernt“, edi— tion monos, Neu-Isenburg.


