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(2017) 1/2017. September 2017
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36 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

alltãglichem Raub und Piebstahl.

Nach Rostock folgten Mölln(drei tote Frauen) und Solingen(Zwei tote Frauen und drei Mãdchen). Der dama- lige Bundesinnenminister Manfred Kanther(CDU) sagte 1994 anläßlich einer Debatte Zzum AsylrechtWir ha- hen hislang richtig gehandelt. Natürlich hat die Auseinanderetzung auch Hitze- grade erzeugt. Er sagte tatsächlich Hit?egrade!! Der damalige Außen- minister und FDP-Vorsit?ende Klaus Kinkel sagte nach Solingen, man müsse lles vermeiden, wus Wasser auf die Miihlen der Rechtsradikulen leitet?.

Wie müssen sich die Opfer bei sol- chen Aussagen unserer Politiker gefühlt haben? Solange es solche Politiker gibt und die Gesellschaft darüber weiterhin Schweigt, werden wir den Rechtsextre- mismus nicht bekämpfen können. Wir brauchen einfach mehr Zivilcourage, um dieser braunen Unkultur offensiv zu begegenen, s0 wie ich sie von Hermann Reineck, dem Gründer unserer Lager- gemeinschaft Auschwitz erleben durfte.

EFin Mittel dafür ist, Aufklärungsar- beit bereits in den Schulen zu betreiben, Sind Projekte, Veranstaltungen und De- monstrationen. Man braucht viele Men- schen, die solidarisch gegen Fremden- hass und Antisemitismus aufstehen. Wir dürfen Neonazis und rechtsradikalen Politikern s0o ohne Weiteres keinen 5f- fentlichen Raum mehr bieten.*

Volkhard Knigge, seit Jahren Direk- tor der Gedenkstätte Buchenwald, erhält Briefe von einer Gruppe, die sich Natio- naler Widerstund nennt. In denen be- dankt sich die Gruppe für die jahrelange

Gedenktafel in München an der Trappen- treustraße mit den Namen der Mordopfer des NS U und einer gemeinsamen Erklärung der Städte Nürnberg, Hamburg, München, Rostock, Dortmund, Kassel, Heilbronn. Fo- to aus wikipedia: Autor: Cholo 3 Mai 2014)

umsichtige Führung des KZ. Dank Knig- ges Weitsicht wäre alles erhalten geblie- ben und in einem guten Zustand. Man brauche dieses Lager wieder. Er solle die Kollegen in Auschwit? kontaktieren, auch dieses Lager biete sich an. Dies ist eine neue Qualität, die auch damit zu- Ssammenängt, dass Pegida und AFD das Land verãndern.

Die Philosophin Hannah Arend hat einmal voller ironischem Pessimismus gesagt: Vor dem Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sichen Das gilt für Rassismus und Ausländer- feindlichkeit genauso. Wer sagt eigent- lich, dass sich Geschichte nicht wieder- holt? Die Wahrheit ist, sie wiederholt sich unablässig, wir wollen es nur nicht immer wahrhaben.

Alexander Woff

Siehe in diesem Zusammenhang: Harald Welzer: Wr vind die Mehrheit- Für eine offene Gesellschuft, Fischer- Iaschenbuch, 2017