Heft 
(2016) 2/2016. Dezember 2016
Einzelbild herunterladen

28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

entwickelte. Er stieß einerseits auf Unter- Stüt?ung, andererseits auch auf viel Wider- Stand und wurde bisher nicht verwirklicht. Außerdem gab es damals Aufruhr ums Haberfeld-Haus?, das sichtbar ver- fiel, aber noch als jüdisches Kulturzen- trum umgebaut und renoviert werden Sollte. Als ich in Auschwitz ankam, wur- de in einem Teil des Hauses noch Bier abgefüllt und im Hof stapelten sich die Kisten. Mit dem Haberfeld-Historiker Miroslaw Ganobis machte ich abenteu- erliche Haus-Erkundungen. Die jüdische Spurensuche von uns Freiwilligen und von Ganobis kam damals bei der Bevöl- kerung gar nicht gut an. Für die Gruppen war es aber eine interssante Station ihres Aufenthalts und für uns Freiwillige wich- tiger Bestandteil unserer Arbeit. Immerhin wurde schließlich als erster Schritt 19035 die Auschwitz Jewish Center Foundation gegründet. Bis zur Grün- dung des Jüdischen Zentrums in Oswie- cim(in einem anderen Gebãude) sollten allerdings fünf weitere Jahre vergehen. 1993 intensivierten sich die Bezie- hungen der Gedenkstätte Auschwitz zur israelischen Gedenkstätte Vad Vashem, und Museums-Mitarbeiter besuchten erstmals ein Seminar in Frael. Während meiner Freiwilligenzeit besuchte ich mit ASF-Kollegen und österreichischen Gedenkdienst-Kollegen im März 1904 das 3. Deutschsprachige Holo caust-Seminar in Vad Vashem. Damals fing auch die intensive Kooperation mit

der Deutschen Helga Arntzen und ihrer norwegischen OrganisationHuite Bus- Ser til Auschwitz an. Wir hatten so viele norwegische Gruppen mit ihren weißen Doppeldeckerbussen zu betreuen, dass wir im Bahnhofs-Hotel Glob bei Veran- Staltungen im großen Konferenzsaal über unseren Freiwilligendienst berich- teten, weil in der IIBS kein Platz mehr war. Vor 50 bis 80 Schülern durfte ich neben Auschwitz-Uberlebenden, die aus Norwegen mitgereist waren, und der Reiseleiterin über aktive Friedensarbeit referieren.

In?zwischen kommen im Vergleich zu 1993 allerdings fast vier Mal s0 viele Besucher nach Auschwitz, das hat viel verändert. Durch denSchindlers- Liste Filmtourismus rückte Auschwitz auch erstmals in den Blick derShoah- Business-Kritik. Ich erlebte wichtige Gedenkveranstaltungen zum 50. Jahres- tag der Liquidierung des Zigeuner- lagers, des Sonderkommando-Aufstands und der Befreiung von Auschwitz.

Zu diesen Anlässen kamen viele Uberlebende an den Ort ihres Leidens zurück. Die Veranstaltungen bewegten weltweit viel im politischen Gedenken. In Polen hatte das Thema Völkermord an den Sinti und Roma bis dahin noch keine große Aufmerksamkeit erfahren. Dies- mal wurde jedoch daran in Anwesenheit höchster polnischer Regierungsvertreter und wichtiger internationaler Gãste ge- dacht. Fine ständige Ausstellung in der

*Die jüdische Familie Haberfeld hatte eine für die Okonomie von Oswiecim bedeutende Spirituosen-Fabrik. Im Sommer 1939 reisten Alfons und Felicia Haberfeld zur Weltausstel- lung nach New Vork, um ihre Kiköre zu präsentieren. Während ihres Aufenthaltes überfiel die Deutsche Wehrmacht Polen. Das Ehepaar brach die Rückreise ab. Seine kleine Tochter und die Großeltern, die in Polen geblieben waren, wurden im Holocaust von den Deutschen ermordet. Plãne in den 1990er Jahren, die Haberfeld-Villa in ein Kulturzentrum umzubau- en, Zerschlugen sich. Die Ruine wurde in den vergangenen Jahren abgetragen.