Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27
Auschwitz. Dort hatte sie auch Häft- linge in der Nähe des Bahnhofs gesehen und einmal 1944 im Zug ein Erlebnis mit einem deutschen Zivilisten, der vor einer Grenzkontrolle in Trzebinia ihrem Neffen ein Säckchen mit Diamanten zu- Steckte und spãter in Auschwitz aus dem Zug stieg. Das war natürlich lebens- gefährlich. Mein polnischer Onkel zwei- ten Grades, der damals neun Jahre alt war, ist Seitdem er den Hilm Schindlers Liste sah bis heute davon überzeugt, dass es sich bei dem Mann um Oskar Schindler gehandelt habe, was sich aller- dings nicht mehr nachweisen lãsst.
Maßge blicher für meine Oma waren jedoch ihre Kriegserfahrungen und die Tatsache, dass sie im Untergrund mitge- wirkt hatte und ihre Jugendliebe als Widerstandskämpfer verhaftet und in Auschwit? ermordet worden war. Sie lebte auch deshalb gefährlich, weil sie ausländische Radiosendungen hörte. Meine Mutter wurde bei einer Razzia in Krakau aus ihrem Kinderwagen gewor- fen und musste in Folge ihrer Verletzun- gen jahrelang im Gipsbett schlafen. Meine Oma und ihre beste Freundin entgingen mit viel Glück nur kKnapp einer Erschießung, ihr jüngerer Bruder kam mit 19 Jahren nach Dachau. Mein Onkel erinnert sich noch gut an seine Straßenbahnfahrten durch das Krakau- er Ghetto, denn um seine Großeltern in Borek Falecki zu besuchen, musste er diesen Bezirk durchqueren.
Der spätere Papst Karol Wojtyla ar- beitete in derselben Fabrik wie der Schwager meiner Oma und aß eine zeit- lang mit meinen Urgroßeltern in deren Wohnung zu Abend. Meine Oma hatte zu viele schlechte Erinnerungen an diese Zeit und konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass ich freiwillig nach Oswie-
eim zichen wollte. Am Ende schimpfte Sie aber nicht mehr s0 viel, vor allem weil ich sie in der Zeit einige Male am Wo- chenende in Wien besuchen konnte.
Als ich direkt nach unserem ASF- Abschluss-Seminar im März 1995 nach Auschwitz zurückkehrte, um bei zwei Veranstaltungen mitzuhelfen, starb meine Oma. Die Todesnachricht erhielt ich erst drei Tage später und eine Wo- che vor meiner Abreise nach Israel, weil das Telegramm nicht zugestellt wurde und ich an dem Tagungsort nicht er- reichbar war. Handys gab es damals noch nicht. So konnte ich meine Oma leider vieles nicht mehr fragen, aber vielleicht wollte sie das auch gar nicht.
Was ist politisch während deiner Zeit in Polen passiert?
Der Streit um das Karmeliter-Kloster und die Kreuze am Stammlager eskalier- te, nachdem der Vatikan eine Verlegung des Klosters angeordnet hatte. Das Zen- trum für Information, Begegnung, Dia- log, Erzichung und Gebet wurde seiner- zeit ausgebaut und anfangs jedenfalls ei- ne Konkurrenz zur IBS befürchtet, die aber unbegründet war. Ein japanischer buddhistischer Mönch wanderte im Win- ter nur mit seinem Mönchsgewand und Sandalen bekleidet nach Auschwitz, um für den Frieden zu beten und um für eine Friedenspagode in Auschwitz zu werben. Seine freundliche und friedliche Aus- Strahlung beeindruckte mich schr. Umso mehr schockierte es mich, dass dem Be- Sit?losen in Lublin sein treuer Begleiter, ein alter Wanderstock, von Betrunkenen zerbrochen wurde.
Zehn Jahre später entstand der von Josef SZajna angeregte Plan zur Errich- tung eines„Friedenszentrums“, der sich zu einem Plan für einen Friedenshügel


