Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 28
Freundschaft mit Henryk Mandelbaum in Gliwice auf. Heniu besuchte mich in dieser Zeit mehrmals in meiner Woh- nung in Birkenau, um nach einer Tasse Tee mit mir in seinem Auto direkt auf das Gelände der Waldkrematorien zu fahren. Manchmal packte er auf dem Krematoriumsgelände Proviant aus. Er hatte seine festen Essenszeiten und im- mer etwas dabei. Bekam er nicht recht- zeitig zu essen, war er sehr schlecht ge- launt und sprach kein Wort. Schließlich lud ich ihn in der IBs nach der Ortsbe- Sichtigung zum Essen ein. Bis dahin war er für die IBS noch ein Unbekannter.
Einige Male durfte ich zudem Uber- lebende und ihre Angehörigen durch Birkenau oder Monowitz begleiten. Sie wollten keine Führung. Alles was sie wollten, war an den Krematorien ihrer ermordeten Familienmitglieder zu ge- denken und jemanden dabeizuhaben, der ihnen bei Bedarf Fragen beantwor- tete. In Monowitz wollten Josef Markus, Alex Deutsch und Hans Frankenthal den Ort ihrer Leiden wiedersehen, aber Ssie erkannten nichts mehr.
Zu keiner Zeit haben mir Uberleben- de als Deutschem Vorwürfe gemacht. In meiner Freizeit besuchte ich auch Uber- lebende in Krakau und Warschau, z. B. Fugenius? Motz. Mit der Zeit habe ich ein besonderes Verantwortungsgefühl für die mir ans Herz gewachsenen Menschen entwickelt. Ich war dann bei Gesprächen mit Gruppen immer sehr angespannt, ab- hängig von der Stimmung der Zeitzeugen und von der Sensibilitãt der Gruppe. Bei Zofia Pohorecka musste es immer nach einem bestimmten Muster ablaufen. Ich habe sie z. B. abgeholt, war stets an ihrer Seite und musste bei den Gesprãchen im- mer zu ihrer Rechten sitzen. Während meines ersten Gruppengesprächs mit ihr
brachen einige Teilnehmerinnen in Trãnen aus, das wühlte damals— auch Zofia und k 6—
mich sehr auf..
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Wir mussten es—„— dann abbrechen. 3 .*
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halb hatte er einen besonders hohen Be- treuungsbedarf und benötigte uns auch an seiner Seite.
In meiner Freizeit habe ich außer- dem die letzten Spuren des Nebenlagers in Monowit? systematisch fotografisch dokumentiert und kartiert. Vor Ort Sprach ich mit Einwohnern und machte wenn möglich Fotos, um dann später meinen Gruppen diese Geschichten näher bringen zu können. Dort gab es damals auch noch viele ältere Leute, die Schon vor der Besetzung Polens dort lebten, als Zwangsarbeiter verschleppt wurden und nach dem Krieg zurückka- men. Diese Zeugen hatten natürlich viel zu erzählen. Nach mehreren Besuchen wurde ich sogar in einzelne Häuser ein- geladen, eine alte Frau lebte noch in be- Scheidenen Verhältnissen in einer umge- bauten Häftlingsbaracke. Eine HFamilie lebte in der ehemaligen Lagerküche, wo noch der alte Kartoffelkeller aus der La- gerzeit zu sehen war.
Wie wurde Kontakt mit den Eltern und Freunden zu Hause gehalten?
Ich habe ja noch 18 Monate Freiwil- ligendienst geleistet, während dem ich auch heimgefahren bin. Ich war aber


