Heft 
(2015) 1/2015. Dezember 2015
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17

Die Wunde heilt nicht Rede von Fva Fahidi bei Gedenkveranstaltung des IAK

Am 26. Januar 2015, am Tag vor dem 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwit?, fand in Berlin in der Urania eine Gedenkveranstaltung des Internationalen Ausch- witz-Komitees(IAK) statt. Für die ehemaligen Hãäftlinge sprach Eva Fahidi?.

Als ich in der Morgendämmerung des 1. Juli 1 944 in Auschwit?-Birkenau ankam und mich die Mitglieder des Sonderkommandos aus dem Viechwa- gen warfen, dachte ich nicht daran, dass es je eine demokratische Bundes- republik geben würde- und dass gera- de ich die Ehre haben würde, mich hier zu erinnern. Siebzig Jahre sind in der Zwischenzeit verlaufen.

Wenn ich mein langes Leben be- trachte, worauf 75 Jahre auf das 20. Jahrhundert fallen, muss ich schmerz- haft feststellen, dass ich schon sehr früh dem Antisemitismus und dem Hass be- gegnet bin. Die Geschichte unserer Ahnen, worüber wir als Kinder zu ler- nen beginnen, ist die chronologische Aufzählung von Kriegen, die auf dem Hass gegenüber dem Feind beruhen.

Heute kenne ich schon den tragi- Schen Zusammenhang zwischen Hass und Angst. Hass, als Folge der Angst. Wie soll ich meinen Nächsten und wie gar den Fremden lieben, wenn ich Angst vor ihm habe? Als wir Kinder uns Zu Hause gezankt haben, hat Mutti gesagt: Kinden his zluum Abend müsst inr euch versòhnen. Mit Argen mit Hass in Herz und Seele, Schldft man nicht ruhig.

Wir Uberlebenden von Auschwitz-

Birkenau sprechen über unser Leben, wenn wir über Hass und Angst spre- chen. Es begann schon viel früher, mit der ständigen Angst um die Männer, die als Juden in den Arbeitsdienst ver- Schleppt wurden. Kommt mein Vater, Bruder, Onkel zurück? Werde ich ihm noch je begegnen? Die angstbelaste- ten, unvergesslichen Momente des Abschieds!

Damals wussten wir nicht, aus wel- chen weiteren Gründen wir noch der Angst begegnen sollten. Im Viehwa- gen, auf der Reise nach Auschwitz- Birkenau, klammerten wir uns an die Hoffnung des Zusammenbleibens. Ja*, sagte mein Vater, mit angstvoll

*Eva hidi-Pusztui leht in Budapest Sie wur im Mai 2015 zum wiederholten Mal Gast der La- gergemeinschaft ind hat bei mehreren õffenclichen Jerminen und auch an Schllen über ihr Schicksal herichtet. Die Hotos zu ihrer Rede hier Stammen alle von den Auftritten im Mai.