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(2015) 1/2015. Dezember 2015
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7

zerkratzten Türrahmen. Du erzähltest, wie die Todeswand? nach den Massen- erschießungen aussah. Immer waren es Menschen, die vor meinen Augen stan- den, und einer, der es überlebt hatte: Du. In Birkenau, wo nur noch Bahngleise und gesprengte Kremato- rien zu sehen sind, hobst Du eine Handvoll Erde auf, gabst sie in meine Hand und sagtest:Du hältst jetzt die Uherreste von 10.000 Menschen. Lege vie ehrfirchtig zurick.*

Lieber Hermann, Auschwitz war dein Lebensthema. Du musstest im- mer wieder dort hin fahren. Du grün- detest die Lagergemeinschaft Ausch wilzMrelindesKreis der Ausch wilzer. Du bist ein Beispiel des Lebenswillens und des Widerstandes. Du hast mir ein wichtiges Lebensthema mitgegeben,

das ich mit Schülern in Oberstufen- kursen, mit Konfirmanden und mit Er- wachsenen erleben und an sie weiter- geben wollte. Danke!

Dieter Schermeier mittlerweile pensionierter Pfarrer aus Essen, war vor fast 35 Jahren mit der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in Auschwitz und hat Hermann Reineck auf dieser Fahrt getroffen. Auf der In- ternetseite Himmelsrauschen vom Fvangelischen Kirchenkreis EFssen httpiwww. himmelrauschen. de/an- den-freund-hermann-reineck-ausch- wit?haeftling-nr63-387 3/ ist vorstehen- der Nachruf erschienen.(Wir danken Dieter Schermeier für seine Zustim- mung zum Nachdruck.)

VUnbeugsame Stärke

Hermann lernte ich im Frühjahr 1991 anlässlich der Vorbereitung mei- ner ersten Studiereise nach Auschwitz kennen. Die grausamen Frinnerungen, die er als Zeit?euge über Auschwitz zu berichten hatte, waren erst mal nicht 80 recht mit dem liebenswürdigen und humorvollen älteren Herrn, der vor uns saß, in Finklang zu bringen. Erst später konnten wir die unbeugsame Stärke unseres Erzählers erahnen.

Hermann hatte an diesem Tag Schließlich sehr schnell die Herzen der aufmerksamen Zuhörer und Zuhöre- rinnen erobert. Und das lag nicht nur an seinem Wiener Charme, sondern

auch an dem Mut, seine Meinung frei zu äußern, es nicht jedem recht ma chen zu wollen, zu widerstehen und Sich selbst treu Zu bleiben.

Mit diesen Figenschaften war Hermann mir im Ater von 16 Jahren ein großes Vorbild. Und ist es bis heu- te geblieben. Hermann Reineck hat seinen Beitrag zur Erziehung nach Auschwit? im Sinne Adornos gelei- stet und damit viele Menschen ge- prägt, denen er unvergessen bleibt. Dafür danke ich ihm ganz herzlich.

Andreas Kilian

Historiker, u. a. Co-Autor von Zeu-

gen aus der Vodeszone- Pas jidische Sonderkommando in Auschwitz