8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Totale“ Zivilcourage
Marcel Reich-Ranicki hat einmal über Nachrufe gesagt: Herrgott, vie miisven Zeigen, wus der Kerl taugte nicht w0 er zlur Schlle ging.*
Uber unseren Gründer ließe sich in diesem Zusammenhang eine Menge schreiben. Die Uberzeugungskraft und Glaubwürdigkeit, die Hermann als Per- Son und ebenso als Kämpfer gegen den rechten Ungeist mit seiner“totalen? i- vilcourage an den Jag legte, werden mir immer im Gedãchtnis bleiben.
Pin Schlüsselerlebnis hatte ich im Ja- nuar 1985 in Frankfurt, als ich Hermann Reineck in der Ausstellung“Pohkumente iher Auschwitz“ kennenlernen konnte. Fs dauerte nicht lange und Hermann zog
mich und meine Freundin in den Bann Seiner Erzählungen über seine Erfahrun- gen als Häftling in Auschwitz. Noch am Selben Jag wurde ich vor Ort Mitglied der IGM.
Ich bin ihm unendlich dankbar, dass er mir damals den Weg geebnet hat, Mit- glied der ILGM zu werden und auch im Vorstand mitarbeiten Zu dũrfen. Sein Jod hat mich damals tief getroffen. Wir hatten einen Freund verloren, dessen Wesen auch durch Bescheidenheit, Humor und Menschlichkeit geprägt war. Das Frin- nern an ihn gibt Mut und Kraft, gegen das Vergessen des mõrderischen Kapitels der deutschen Geschichte anzukämpfen.
Mexander Woff Vorstandsmitglied der KGA
Pas wird schon Klappen“
Selbstverständlich traf man Her- mann und Anni bei Demonstrationen gegen die Nachrüstung. Schnell kam Hermann mit einem ins Gespräch. Sein nicht unterdrücktes Wienerisch, seine freundlichen Augen, sein meist lächeln- der Mund, vor allem aber seine herzliche, einfühlsame Art fesselten einen sofort und für immer. Finmal kam die Idee auf, zu einem Jahrestag aus der Reihe der NS-Verbrechen Hermann in die Klasse einzuladen, in der ich gerade Geschichte unterrichtete. Das war damals noch neu.
Mir war nicht gan?z wohl dabei: Auf der Fahrt mit Hermann zur Schule er- zählte ich ihm, ich sei mir nicht sicher, ob das gut gehen werde. Ich hätte Schwie- rigkeiten mit der Klasse und fürchtete,
Sie würden sich nicht richtig verhalten- bis hin Zu HFlegeleien. Hermann machte mir Mut: Ach lass mal, das wird schon klappen. So wars dann auch. Die Ju- gendlichen waren freundlich, sogar höf- lich, hörten ihm gespannt zu und unter- hielten sich mit ihm noch lange nach Ende der Stunde.
Zweierlei hatte ich als junger Lehrer von Hermann gelernt: Man muss seinen Schülerinnen und Schülern vertrauen. Und man muss keine Angst haben, Nu- gendliche mit dem Jerror von Auschwit? zu konfrontieren. Als ich Spãter das Buch von Monika Held fand Per Schrecken vErliert Sich vor Oyt, musste ich an die Mut machende Bemerkung von Her- mann denken.
Uwe Hartwig Vorsit?ender der LGA


