Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 8
nen weiterzugeben. Dazu fühlte er sich seinen Häftlingsk ameraden verpflich- tet. Vor allem wohl einem, über den er mir gegenüber nur einmal sprach. Es war ein Freund aus Wiener Tagen, den er mehrfach im Hãäftlingskrankenbau bei Selektionen versteckte, da er un- weigerlich als nicht mehr arbeitsfähig ins Gas geschickt? worden wãre. Das Risiko, dass die SS dies entdecken und damit den gesamten Lagerwiderstand gefährden könnte, wurde immer größer. Auf Beschluss der Wider- standsgruppe und gegen alle persön- lichen Bedenken und Skrupel unter- ließ es Hermann, seinen Freund vor der nächsten Selektion zu warnen und ihn erneut vorübergehend zu ver- Stecken.
Hermann sprach so gut wie alle, die ihm begegneten, auf Auschwitz an. Die Arzte und das Pflegepersonal bei sei- nen Krankenhausaufenthalten und al- le, bei denen er merkte, dass sie das In- teresse gepackt hatte und Empathie empfanden, lud er nach Gambach in die Wohnung zu sich und Anni ein. Und ja, Hermann konnte auch— ich formuliere es bewusst-“mit Ausch- wit? nerven“. Konnte ungeduldig drängen. Insistierte, dies und jenes müsse gemacht werden. Ich kann mich erinnern, wie Wolfgang Gehrke Gchon früh nach der Gründung der LGA und nach einer Unterbrechung auch seit Jahren wieder im Vorstand) ihm einmal antwortete: Hermann, ich weiß, du hist jeden Jag in Alschwilz, well du mussl. Aber das Kann ich nicht. Mas alte ich nicht durch.“
Hermanns Tod war ein Finschnitt.
Aber die Kontakte zu seinen Kamera- den, den Auschwit?-Häftlingen, blie- ben bestehen. Wir versuchten, die Ar-
beit der Lagergemeinschaft mit Studienfahrten, der Vermittlung von Zeitzeugen an Schulen, die Veranstal- tung von Gedenkfeiern sowie anderen Aktionen fortzusetzen. Auch wenn wir vieles anders machten- was uns Anni dann mitunter schwer übel nahm, aber das ist ein anderes Thema-, so ist uns das dank der Unterstüt?ung aller Mit- glieder und Sympathisanten im Grun- de doch gut gelungen. Aufgrund von Krieg und Bürgerkrieg in vielen Län- dern der Welt, aufgrund von Verfol- gung aus rassistischen und politischen Gründen scheint uns dies auch weiter- hin nötig. Die Brinnerung an die Ver- brechen der Vergangenheit und deren Voraussetzungen ist auch eine Voraus- set?ung für die Bewältigung der ge- genwärtigen gesellschaftlichen Bedro- hungen. Hans Hirschmann Seit Mitter der 1990er Jahre Vorstandsmitglied der KGA


