4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
mit dem Vermerk Rüchkehr uner- wiinscht“ ins Konzentrationslager Auschwit?z deportieren Hießen.
Falsch lagen auch rund vierzig Jah- re spãter die Arzte der Herz-Klinik in Bad Nauheim nachdem sie Hermann operiert hatten. Sie gaben ihm noch höchstens ein Jahr, da die Rückwand seines Herzmuskels nur noch so dünn wie ein Blatt Papier gewesen sei. Dies bestãtigte auch eine Arztin, die damals dabei war, und die Hermann dann auch mehr als zehn Jahre später während seiner letzten Tage medizi- nisch betreute.
Hermann war nach seiner ersten OP Zzwar in Rente geschickt worden, aber den ärztlichen Rat, Aufregungen und Stress Zzu vermeiden, schlug er in den Wind. Irot? weiterer Operationen und Krankenhausaufenthalte im Laufe der folgenden Jahre war er mit Hilfe von Anni unermüdlich unterwegs, wenn es galt, den Freunden in Polen Unterstüt- zung Zukommen zu lassen, bei Demon- strationen gegen die NPD aufzutreten, Studienfahrten nach Auschwit? zu be— gleiten, bei Veranstaltungen über Auschwit? und die Verbrechen der NS- Zeit zu sprechen und zu warnen, dass dies wieder geschehen könnte. Und da könne man nicht unbeteiligt Zusehen.
Ich selbst habe ihn 1989 kennenge- lernt und bin ũber Ostern 1900 erstmals mit der IGM im Bus nach Polen-sprich nach Auschwit? und Krakau- gefahren. Hier in Deutschland habe ich Hermann mehrfach zu unterschiedlichen Veran- Staltungen gefahren. Was seinen, es lãsst Sich sagen, eisernen Willen? betrifft, 80 ist mir eine für mich zunächst dramati-
Sche Begegnung in Erinnerung. Ich fuhr ihn- ich meine, es war nach Wetzlar in die Jugendherberge- zu einer Jugend- gruppe, die sich auf eine Fahrt nach Auschwit? vorbereitete. Hermanns kör- perliche Schwäche war schon beim EFin- Steigen ins Auto auffällig, und ich sowie selbst Anni versuchten, ihn zu überre- den, den Iermin abzusagen. Vergeblich. Am Tagungsort musste ich ihm die Trep- pe hoch helfen und machte mir Vorwür- fe, dass ich ihn erneut nicht überzeugen konnte, wieder nach Hause zu fahren. S0 klapprig und fahrig waren seine Bewe- gungen, so schwer ging sein Atem und so zittrig und leise war seine Stimme. Zehn Minuten später saß er vor den Jugendlichen, eine Tasse schwar- zen Kaffee vor sich und eine brennen- de Zigarette in der Hand. Von körper- licher Schwäche und Zittriger Stimme konnte keine Rede mehr sein. Seine ganze Körperhaltung hatte sich verän- dert.“Entspannt und fast wie das jun- ge Leben', dachte ich mit Erstaunen und wusste gleichzeitig, dass dies natürlich Quatsch war. Aber was er zu Sagen hatte, sagte er mit fester Stimme, eindrücklichen und klaren Worten und beeindruckte die Jugendlichen und ihre Betreuer zudem mit seinem Charme, den er sehr geschickt und mitunter sehr bewusst einsetzte. Uher Auschwitz darf Kein Gras wachsen“, war das Motto, das er ver- trat und das als Wahlspruch unserer Lagergemeinschaft Aluschwitz- Hrelin- desKreis der Auschwitzer bis heute nichts an seiner Bedeutung verloren hat. Hermann hatte den festen Willen, dies an die nachfolgenden Generatio-


