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(2014) 2014. Dezember 2014
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 47

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Israel Gutman, Auschwitz-Uberlebender und Historiker, vor 20 Jahren in Auschwitz beim Gedenken an den Aufstand des Son- derkommandos.(SA. Kilian, 7.10.1994)

zwar geplant, aber tatsãchlich nicht um- gesetzt wurde. Krematorium III, das zu diesem Zeitpunkt lediglich als Sonder- kommando-Unterkunft für 200 Häft- linge diente, wurde immerhin durch Brandstiftung stark beschädigt. Einen Finfluss auf die Tötungsmaschinerie hatte dies indes nicht. Den Bestand des Sonderkommandos reduzierte der Auf- Stand allerdings um 451 Mann.

Symbolisch hatte der Aufstand trotz alledem einen hohen Wert, insbe- Sondere für die demoralisierten Lager- häftlinge, aber auch für die scheinbar unverwundbare SS. Widerstandsaktio- nen mussten zwar grundsätzlich von der Lagerführung und den Bewachern erwartet werden, doch im System der gut funktionierenden Todesfabrik Auschwit? kam die Revolte letztlich doch überraschend. Zu diesem Zeit-

punkt bestand das Sonderkommando bereits seit fast zwei Jahren. Die am längsten zugehörigen Häftlinge aus Polen, Weißrussland, Litauen, der Slo- wakei und Frankreich, aber auch jün- gere Zugänge anderer Nationalitäten, genossen das Vertrauen der Kremato- riums-SS, die sich die Protektion und Privilegierung der Häftlinge teuer be- zahlen ließ. In der isolierten Todeszo- ne entstand zwangsläufig ein unglei- ches Abhängigkeitsverhältnis. Tatsäch- lich waren Anfang Oktober 1944 nur insgesamt Zwölf SS-Posten in allen vier Krematorien und in zwei Schichten eingesetzt, in der Tagschicht jeweils so- gar nur ein Wachposten. Der Anlass des Aufstands bei Krematorium III, ei- ne Selektion im Sonderkommando, führte weder vor, noch nach dem 7. Oktober Zu ähnlichen Ausschreitun- gen und Kämpfen. Insofern ist der Aufstand des Sonderkommandos vom 7. Oktober 1944 einmalig in der Ge- schichte des Vernichtungslagers Auschwit?-Birkenau und war als Akt des Widerstands eines der wichtigsten Freignisse in der Lagerhistorie.

In der Erinnerungspolitik der Uber- lebenden und Nachgeborenen hat er bis zum heutigen Tag wesentliche Bedeu- tung:Jch glauhe nicht dass es s0 vehr mil Mu zu un haute wus wir getan haben, als mehr mit der Vorstellung, lns nicht entwiirdigen zu lassen.(..) Es gah da die- Sen Willen in ums der uns leitele umnd der lins vgte, duss wir Menschen vind und deshalb das Recht hauten, in Würde zu verben und nicht wie Vieh abgeschlachtel zu werden.(Anna Heilmann, Schwester von Ester Wajchlum) 5