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(2014) 2014. Dezember 2014
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46 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Krematorium III durch Hãäftlinge führte beispielsweise Zu der irrigen Annahme, das Sonderkommando hätte das Kre- matorium gesprengt. Der massive Ein- Sat? von Schusswaffen führte ferner zu dem Missverstãndnis, das Sonderkom- mando habe selbst Pistolen und Maschi- nengewehre zur Verteidigung benutzt. Zeugenberichten zufolge wurden je- doch nur Messer, Steine, Axtè und ande- re Werkꝰeuge im Kampf eingesetzt. Die zwölf verwundeten und drei getteten SS-Angehörigen Rudolf Erler, Willi Freese und Josef Purke wurden wahr- scheinlich im mutigen Finzelkampf mit Hieb- und Stichwaffen angegriffen. Die Opfer unter der SS gehörten nicht Zzum Krematoriumspersonal, das sich recht- Zeitig in Sicherheit brachte, sondern wa- ren Angehörige der SS-Alarmeinheiten, die die Verfolgung der Füchtigen auf- nahmen und nicht mit einem bewaffne- ten Angriff gerechnet hatten.

Die Geschichte des Aufstands ist auch deshalb differenziert zu betrach- ten, weil es sich letztlich um zwei ver- schiedene Aktionen handelte. Wäh- rend sich einzelne Hãäftlinge vor Kre- matorium III der Selektion widersetz- ten und keine Fluchtmöglichkeiten nach außen hatten, unternahmen ei- nige der Häftlinge in Krematorium I einen Massenausbruch, ohne eine Gegenwehr der Krematoriums-SS befürchten zu müssen. Die Verfol- gung durch SS-Alarmeinheiten verei- telte ihre Pläne jedoch schnell. Kein einziger Füchtling überlebte.

Vielen hat der Aufstand das Le- ben verkürzt und damit ihre Befürch-

tung bestätigt, die dafür verantwort- lich war, dass der Aufstandstermin immer wieder verschoben wurde. Der vernunftbestimmte Uberlebenswille und die Hoffnung, doch noch wie durch ein Wunder das Vernichtungs- lager zu überleben, waren für viele stärker als ihr Mut zu revoltieren. Selbst nach Beginn des Aufstands und dem Beschuss durch die S8 versuch- ten Häftlinge verzweifelt, sich durch Flucht vom Hof des Krematoriums II auf das gegenüberliegende Gelän- de von Krematorium IV zu retten und dadurch den Erschießungen zu entgehen. In wenigen Fällen glückte es, in den meisten nicht. Einerseits wurden Unbeteiligte strafweise von der S8 durch Genickschuss ermordet, andererseits wurden selbst ange- schossene Sonderkommando-Häft- linge von SS-Angehörigen gerettet und in das Krankenbaulager über- stellt. Im Chaos des Ausnahmezu- stands war Vieles möglich.

Die Furcht vor einem aussichtslo- sen Kampf und Gemetzel war für vie- le let?tlich größer als der Wunsch, im Kampf als Held oder Rächer zu fallen, waren doch die Gelegenheit Zzu einem Kampf mit der 88 äußerst gering und das Kräfteverhältnis sehr ungleich. S0 blieb die Revolte auf dem Hof von Krematorium II auf die Aktion weni- ger Finzelkämpfer beschränkt. Der Historiker Prof. Bowman bezeichnete diese alsSelbstmord-Gefecht*.

Fine Massenflucht bot keine Per- Spektive, und die Zerstörung der Ver- nichtungseinrichtungen, der Kremato- riumsanlagen, war ein hohes Ziel, das