34 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Birkenau in das Stammlager geführt wlurde, im dann in dem Kleinen Krematorium umgebracht zu werden.“
Müller musste sein Uberleben im Sonderkommando sogar vor dem Vor- sit?enden Richter rechtfertigen. Bis da- hin war man basierend auf Legenden davon ausgegangen, dass die Häftlinge des Sonderkommandos alle drei bis vier Monate liquidiert worden wãären. So waren alle Sonderkommando- Uberlebenden Ausnahmeerscheinun- gen, mit denen ihre Umwelt nur schwer umgehen konnte, und wurden dadurch erneut stigmatisiert und Zum Opfer der Nachkriegsgesellschaft. Nicht selten wurden sie deshalb von Besserwissern ignoriert, belächelt und von Zweiflern ausgelacht oder beschimpft.
Müller aber konnte sich dem Alb- traum Auschwitz nach seiner Befrei- ung nicht entziehen, daran hinderten ihn nicht nur die inneren Zustände
sondern auch die äußeren Umstände: die rasante und durch Emil Aretz 1970 eingeläutete Verbreitung der These von der Sogenannten Auschwitz-Lüge, das Erstarken des Rechtsextremismus in West-Buropa, die Kolportierung un- zutreffender und sensationslüsterner Darstellungen sowie irriger Interpreta- tionen über das Sonderkommando durch andere Auschwitz- Uberlebende insbesondere durch Miklos Nyiszli (in englischer Ubersetzung 1960), Alfred Fiderkiewicz(1965), Hermann Langbeins„Menschen in Auschwilz“ (1972 1995 einen Monat vor seinem Tod auf Betreiben des Verfassers Zum Teil revidiert) und das Sonderkom- mando-Bild der Philosophin Hannah Arendt(1963).
Auch die juristische Verfolgung der Verbrechen von Auschwitz sowie Zwei Schicksalhafte Begegnungen mit ehe- maligen Peinigern zwangen Filip Mül- ler dazu, wieder-
Ruinen des Sonderkommando-Waschraums in der Latrinen- baracke zwischen den Hüftlingsblöcken 11 und 13 in Bauab- schnitt B II d. Fotoarchiv Kilian, O A. Kilian 1994
holt Zeugnis abzu- legen. Auf dem Parkplat? einer Autobahnraststät-
te erkannte Mül- eer 1 geschockt
6einen ehemaligen Krematoriumslei- ter Johann Gorges wieder und erstat- tete Anzeige ge- gen ihn, woraufhin ein Ermittlungs— verfahren einge- leitet wurde. Be-— reits 1962 ver- nommen, blieb
7


