30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
sogar ein Kapo-Posten angeboten, den der friedfertige Geiger jedoch ab- lehnte. Er unterhielt Kontakte zu ein- flussreichen Häftlingen in anderen Lagerteilen und war auch durch seine vorübergehende Vertrauensstellung als Kalfaktor im Lager privilegiert. Dadurch hatte er eine Bewegungs- freiheit, die Anderen vorenthalten blieb. Seine Stellung erlaubte es ihm Sogar, sich im Spätsommer 1944 von einem griechischen Mithäftling aus dem Sonderkommando, der Auftrags- arbeiten als Maler durchführte, por- traitieren zu lassen.
Unter Lebensgefahr versorgte er Sogar drei Füchtlinge aus Auschwitz- Birkenau mit Hilfsmaterialien und
Beweismitteln aus der Todeszone, um die Außenwelt über die Mordmaschi- nerie zu informieren. Doch die Opfer auf dem Krematoriumsgelände konn- te Müller nicht retten. Dies führte ihn in eine tiefe Krise, die während der Liquidierung des Theresienstädter Familienlagers ihren Höhepunkt fand. In einem Outtake des Claude Lanzmann-Films„Shoah“ schildert Müller seine Verzweiflung während dieses tragischen Ereignisses:
„Nah ich mir gesagt, was wlrde ihermaupt mein Leben für einen Sinn haben, wenn ich mal Kommen wirnde, vielleicht als ein freier Mann, wenn ich niemandem begegnen würde von die- en Menschen. Da hah ich mich ent— Schlossen, in die Gaskammer mit de-
Links: nach der Befreiung von Auschwitz 1945 aufgefundene Gaskammertür von Krematorium IV. Rechts: Einwurfluke für das Gas Zyklon B, gefunden in den Ruinen des Krematoriums IV. SO M. Kilian 2004, 2005.


