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(2014) 2014. Dezember 2014
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31

nen zu gehen.(..) Nach einigen Minu ten Kamen einige Madchen vor mich, die waren nackt Schon, die waren aus gezogen. Und da Kam eine und fragte mich, ein Schwurzes Mädchen, Sie vtell- te vich vor mit Namen Jana. Vch hin Ja- na nd ich frage Dich, was hat denn Dein Feitod wus Du machen willt für einen Sinn? Pas hat doch Keinen Sinn. Du Kannst lins nicht helfen, im Gegen- teil, Du musst leben und herichten, was für einen qualvollen Vod wir da eriuen hahen.(..) Und plõtzlich Kam zu mir der Kapo Kaminski und vagte mir Fi- lip, wus hast Du denn sowus gemacht, Du wiyst doch denen so einen Geſallen nicht machen, ind Dich denen selbst erlegen. Wir brauchen Dich noch. D hist jng, Du Kannst noch vieles ma- chen und vielleicht nochmal überle- hen In dem Moment ist mir viel Kraft in mich gelommen. Ich hatte wieder Sehnscht zum Leben. Ich Kann es nicht verslehen, wie es möglich wur Vormer wollte ich mir dus Leben neh- men und jetzt eine große Sehnsucht. Der Kapo Kaminski hat vo üherzelu gend auf mich gesprochen, dass es s0 eine große Wirkung auf mich gemacht hat. Und s0 hah ich die Schreckliche Nacht dann überleht.*

Müller gelang es schließlich wäh- rend der Lager-Fvakuierung am 18. Ja- nuar 1945, mit etwa 90 anderen Hãäft- lingen aus dem letzten Sonderkom- mando Birkenau unerlaubt zu verlas- sen und somit einer restlosen Beseiti-

gung der unvergleichlichen Augenzeu- gen zu entgehen. Nach einer Uber nachtung im Stammlager Auschwit?, wo die SS vergeblich nach Hãäftlingen des Sonderkommandos suchte, wurden die unentdeckten Geheimnisträger in andere Lager überstelit.

Filip Müller überlebte die Todes- märsche bis in das Mauthausener Ne- benlager Gusen, wo ihn der ehemali- ge Krematoriumsleiter Johann Gor- ges wiedererkannte, aber nicht an die Lagergestapo auslieferte, obwohl auch hier die S8 nach Sonderkom- mando-Uberlebenden suchte, und von dort Mitte April 1944 bis in das Auffanglager Gunskirchen. Dort er lebte er völlig apathisch und schwer krank am 4. Mai 1945 die Befreiung durch die US Army. Ein Fünftel der auf dem Lagergelände befreiten kranken Häftlinge überlebte ihre Entkräftung nicht.

Filip Müller litt noch sein Leben lang unter den Folgen der Lagerhaft, Seit Kriegsende überstand er insgesamt 13 Operationen. Unter den etwa 110 Uberlebenden der schätzungsweise 2200 jüdischen Sonderkommando- Hãäftlinge gehört Müller zu den weni- gen und insgesamt nur fünf Männern, die bereits im Jahre 1942 im Kremato- riumskommando des Stammlagers Auschwitz arbeiten mussten.

Hilip Müller war ein bescheidener Uberlebenskünstler, der seine Fähig- keit, schwierigste Situationen zu überstehen, häufig herunterspielte:

* Outtake des Lanzmann-Interviews mit Filip Müller, STORV RG-60.5012,

FILM ID: 3206-3218, USHMM)