Heft 
(2012) 1/2012. Dezember 2012
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42 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Die Kreuzelmacher vom Mönchberg

Hadamar-Arzte und Pfleger ohne Gewissen

Die ehemalige NS-Tötungsanstalt Hadamar ist zu Fuß in nur wenigen Minuten von der Ortsmitte des Stãdtchens zu erreichen. In der Gedenkstätte auf dem Mönchberg wird an die Opfer der Verbrechen erinnert. Zwischen Januar 1941 und März 1945 wurden hier auf dem Gelände der heutigen Psychiatrischen Klinik 15.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen im Rahmen der sogenannten Aktion Td* ermordet- durch Vernichtung mit Gas, durch tõd- liche Injektionen und Medikationen sowie durch vorsãtziches Verhungernlassen.

Die Klausurtagung des Vorstandes der Lagergemeinschaft und einiger neuer Mitgeder fand Anfang September in Ha- damar statt. Pin kleiner Fluss fließt durch Stadt mit heute rund 13.000 Finwohmern und mit pittoresken Fachwerkhäusern. Sie liegt am Südrand des Westerwaldes. Die Wahl für die Klausur war auf diesen Ort gefallen, weil wir auch die Gedenk- stätte auf dem Gelände der Klinik für Forensische Psychiatrie/Zentrum für so- ziale Psychiatrie besichtigen wollten.

Am z?weiten Iag der Klausur sind wir Zu Fuß zur Gedenkstätte gegangen. Finiges hatte ich schon gelesen über die Systematischen Morde an den Menschen mit Behinderungen undpsychischen Erberkrankungen In sechs Tötungsan- stalten-Brandenburg/Havel, Bernburg an der Saale, Grafeneck(Württemberg), Hartheim(Linz), Sonnenschein(Pirna) und Hadamar- fanden sie statt.

Zum ersten Mal werde ich nun die Gedenkstätte Hadamar besuchen. Wie wird mir zu Mute sein? Viele Fragen drãngen sich auf. Welchen Weg mussten die Patientinnen und Patienten gehen, bevor sie getötet wurden? Wie raffiniert sind die Täter dabei vorgegangen? War auch hier wie in Auschwit? die Gaskam- mern als Duschen getarnt? Wo wurden

die Zwangssterilisationen durchge- führt? WelcheKreuzelmacher(Arzte, die durch ein rotes Kreuz den Jod in der Gaskammer bestätigten oder durch waagrechte Balken ein vorübergehen- des Weiterlebengenehmigten) fun gierten als sogenannte Gutachter?

Die Besichtigung begann in der Pau- erausstellung, die einen chronologischen Abriss über die Geschichte der zur tungsanstalt umfunktionierten Klinik gibt. Sie ist mit Stelltafeln und Fxpona- ten ausgestattet und sehr informativ. Da- nach ging es nach draußen zu der ehe- maligen Busgarage.

Der Bevölkerung war damals die Be- deutung der drei grauen Busse bekannt. Es gibt viele Zeugenaussagen, die be- stätigen, wie sich die Bewohner der um- liegenden Ortschaften zuriefen:Da Kommen wieder die Mordbusse An den Fenstern waren Vorhänge oder sie wa- ren mit grauer Farbe überstrichen. S0 waren diePassagiere nicht erkennbar, und diese selbst konnten nicht nach draußen schauen.

In jedem Bus hatten etwa 25 Opfer Platz, und es waren mindestens zwei Krankenschwestern mit dabei. Uber das Schicksal der Opfer wurde bereits durch

* V4 Steht für die Adresse, Tiergarten 4 in Berlin, den Sitz der No Puthanasiezentrale