Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3
Wilhelm Brasse, hier bei einem Gespräch mit einer Gruppe der Lagergemeinschaft, konnte nach seiner Befreiung nicht mehr als Fotograf arbeiten.
meinsam trauern. Andererseits ge- schieht es auch oft, dass wir ihre Freu- de, Zum Beispiel über ihre Kinder und Enkel oder andere positive Erlebnisse, teilen, zusammen lachen und feiern können. Das können alle nachvollzie- hen, die bei einer unserer Studienfahr- tenꝰ? dabei waren und Veranstaltungen mit ihnen miterlebt haben.
Litronen, die aus dem Effektenla- ger Kanada geschmuggelt wurden, halfen unserem Freund Stanislaw Hantz, wieder zu Kräften zu kom- men, als er 53 Tage in Bunkerhaft im Todesblock 11 überlebte und so wie- der zu seinem Arbeitskommando zurückkehren durfte. Was für Staszek die Zitronen aus Kanada waren, sind für uns- pathetisch formuliert- die Freundschaft mit ihm, seinen An- gehörigen und den anderen Uberle-
benden der KZ und Gestapo-Gefäng- nisse.**
Materielle Hilfe, die wir oft wegen des doch eher begrenzten Umfanges, als eine kleine Geste ansehen, wird von Seiten der Häftlinge, aber als weitaus mehr aufgefasst- nämlich als unser ehrliches Interesse an ihrem Schicksal und dem Gedenken an die ermordeten Kameraden.
Deshalb bitten wir Sie, liebe Lese- rinnen und Leser, auch in diesem Jahr wieder um eine Weihnachtsspende, die wir an die Organisationen der ehema- ligen Häftlinge oder direkt an einzelne weiterleiten. Darüber hinaus laden wir alle ein, an unseren Studienfahrten und unseren Lesungen, Gedenk- und anderen Veranstaltungen teilzuneh- men. Dort können Sie noch den einen oder anderen der hochbetagten Uber- lebenden kennen lernen und von ih— nen hören, was es für sie heißt, ein Leben nach Auschwit? zu führen.
Der Fotograf von Auschwitz Als ein Beispiel sei hier Wilhelm Brasse genannt, der am 3. Dezember 94 Jahre alt wurde und dem wir auch von dieser Stelle aus herzlich gratulie- ren. Der Sohn eines Osterreichers und einer Polin war in diesem Jahr wieder Gesprächspartner bei unseren Studienaufenthalten in Auschwitz. Er kommt im Rollstuhl und ihn plagen außer den grausamen Erinnerungen auch Gelenke und Knochen.„Ich ha- be immer Schmerzen, aber wenn ich Ihnen erzähle, dann vergesse ich sie“, antwortet er fast immer auf die Frage,
* Die nächste Studienfahrt findet im April 2012 statt(Siche 8. 7) ** Stanislaw Hantz. Zitronen aus Kanada(12 Euro, erhältlich bei der KGA)


