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(2011) 1/2011. Mai 2011
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16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

man ihn als den ältesten Mitarbeiter der Stiftung bezeichnen. Traurigerweise hat- te er einen Unfall und sollte das Haus bis auf weiteres nicht verlassen.

Zusätzlich arbeitete ich noch in zwei Seniorenheimen, wo ich im sozialen und künstlerischen Bereich tätig war.

Was hat Sonst noch Vhren Alltug ge- Kennzeichnet?

Schr viel hat meinen Alltag gekenn- zeichnet. Allein schon in der Stadt War- schau zu leben mit all den kulturellen Möglichkeiten wie Kinos, Konzerten, Ausstellungen, Cafés usw. Außerdem hat wieder das Essen mit den doch guten polnischen Märkten den Jag verfeinert.

Wie Sahen Ihre Kontalte zur polni- Schen Bevölkerung aus?

Nach dem vergangen Jahr kann ich feststellen, dass ich einige gute Freunde in Polen gewonnen habe. Die Menschen, die ich getroffen habe, waren sehr auf geschlossen und freundlich. Hier und da machte es Spaß, sich mit der einen oder dem anderen zu unterhalten Und auch mit den Nachbarn haben wir uns gut ver- Standen.

Wo haben Sie in Warchat gewolhnt, wer wuren Ihre Wohnungsmithewohnen wie Kamen Sie mit dem polnischen Um- feld Klar und wie wuren die Sprachbar- rieren?

Die Wohnung befindet sich in einem typischen Block im Stadtteil Ochota, ca. 15 Minuten mit der Iram vom Zentral- bahnhof entfernt. Dort lebte ich das ganze Jahr mit anderen Freiwilligen zu- sammen. Aufgrund der Projektplanung von anderen Organisationen hat das Stãndig rotiert. Die Freiwilligen, die auch für die Stiftung Polnisch-Meutsche Alis- Shnung arbeiteten, kamen aus Island, Deutschland und zur Hälfte aus Polen. Mit der ASF-Freiwilligen, die in der

jüdischen Gemeinde in Warschau ihren Dienst leistete, wohnte ich die ganze Zeit Zusammen. Sie kam aus der Ukra- ine. Alle waren s0 wie ich um die zwan- zig Jahre alt, vielleicht ein bisschen älter, aber wir haben uns immer gut verstan- den und wie eben berichtet auch mit den Nachbarn.

In der Wohnung gab es keine Pro- bleme. Gesprochen wurde Englisch und ab und zu Polnisch. Das Polnische im Alltag war am Anfang sehr aufregend und ich erinnere mich an sehr lustige Situationen, in denen ich nichts ver- stand, zum Schluss aber trotzdem eine Kommunikation stattfand. Und auch mit den ãlteren Menschen, die ich besuchte, musste ich mich ja auf Polnisch verstän- digen. Jet?t kann ich mich ganz gut aus- drücken, flüssig schreiben ist dann aber wieder eine ganz andere Sache.

Welche Konkreten begegnungen hat- ten Sie mit dlteren polnischen Peronen, die heute als Zeitzeugen anzusehen vind ind was hahen Sie von denen von Hiher und alus der aktuellen Zeithe- wertung erfahren?

Meine erste Begegnung mit polni- schen Menschen, die zum Beispiel in ei- nem Konzentrationslager waren, hatte ich im Juli 2009, also noch vor meinem Jahr in Polen. Auf der ASF-Gedenkstät- tenfahrt in Lublin lernte ich eine Frau kennen, die herzlich und lieb war. Einer- Sseits führten wir ein sogenanntes Zeit- zeugengespräch und andererseits, dann abends bei einem kalten Getränk, Spra- chen wir auch noch über ihre Enkel, Rei- sen, über alles Mögliche. Daran erinnere ich mich sehr gern, und ein halbes Jahr später habe ich sie dann bei der Inter- nationalen Begegnung in Oswiecim 65 Jahre nach Auschwit? wiederge- troffen. Die Freude war sehr groß.

Insgesamt gab es während des Frei- willigendienstes viele Situationen, in