6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Kößler, S. 51) Aber Vielfalt heißt viel mehr. Sie bedeutet für die Pädagogin- nen und Pädagogen, ein Bewusstsein von den vielen möglichen Gruppen- zugehörigkeiten der Besucher/innen zu entwickeln.
Sind vielleicht Menschen unter den Besuchern, die einer im Dritten Reich verfolgten Minderheit angehören? Uta George, pädagogische Mitarbeite- rin der Gedenkstätte Hadamar, be- Schreibt im Bildteil des Buches die un- terschiedlichen Blickwinkel, die sich daraus ergeben können, am Beispiel der Busgarage, in der 1941„mehr als 10.000 Menschen mit Behinderungen ind psychischen Krankheiten“ anka- men.„Wir Miarbeitende fotograßierten die Garage hauſig. immer mit der Per- Pektive von außen. Als Menschen mil Lernsch wierigkeiten während eines Workshops die Auſgabe erhielten, ei- nen Oyt hesonderer Bedeutung zu ſoto— graſieren, wihlten einige die Gaurage als Motiv allerdings zumeist von innen. Sie Schalten mit großer Empathie ſür die Opfen*(S. 102)
Hier wird besonders deutlich, dass es nicht nur eine Wahrnehmung gibt, sondern die Wahrnehmung immer mitbestimmt wird von der Geschichte und den Erfahrungen, die die Einzel- nen mitbringen.
Gedenkstätten heute Gedenkstätten sind heute Gedenk- orte, ikonographische Orte und Kern- orte, Funktionen, die sich aufeinander beziehen. Sie sind über die Jahre zu Lernorten geworden, was auch die Ge- denkstättenkonzeption des Bundes aus dem Jahr 2000 benennt. Und dies, obwohl„ein direkter Zusmmenhang
zwischen einer imfassenden Kenntnis der Hkten üher die nalionalsoziulisti- Schne Wiliirhermschaft und der Bereit- SChdſt vich aktiv ſir Demohkratie einz— Setzen, hislang nicht nachzuweisen (ist).“(Susanne Urich, 8S. 34)
Aber wer soll was lernen? Gottfried Kößler betont das„Orien- tierungsbedirfnis, aus dem heraus Fragen an die Geschichte formliert werden.“(S. 45) Die Herstellung ei- nes Gegenwartsbezugs ist dabei „Nicht etwa das Ziel pädagogischen Handelns, Sondern eine seiner Bedin- gungen.“(8. 47)
Die Uberlegungen des Buches be- ziehen sich explizit nicht nur auf Nu— gendliche, auch wenn sie die Haupt- zielgruppe sein dürften. Gerade unter dem Aspekt der Vielfalt der Wahr- nehmungen, Erfahrungen und Reak- tionen sollte die Arbeit mit den El- tern und Großeltern als mögliche Adressaten nicht vernachlässigt wer- den. Sie sind Gesprächspartner ihrer Kinder und Enkel.
Gelernt werden sollen an einem 8o genannten authentischen Ort Em- pathie, Menschenrechte, die Kenntnis der Kontexte der Verbrechen, Be- schäftigung mit heutigen Kriegen, Genozid usw. Kur?z: Es soll Demokra- tie gelernt werden(Susanne Ulrich).
Hier drängt sich die Frage auf, ob nicht eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe an die Gedenkstätten dele- giert wird.
Gedenkstättenpädagogik heute Barbara Thimm und Helmut Wetzel zitieren am Anfang ihres Aufsatzes „Professionelle Begleitung durch Su—


