Heft 
(2010) 2/2010. Dezember 2010
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9

„Und das ist meine Geschichte“ Kazimier? Orlowski vor Schülern in Wendeburg im Jahr 2008

Von Sandra Sliepen

Krakau im Jahr 1939. Die Schule ist aus. Der 18 jährige Kazimier? Orlowski macht sich auf den Heimweg. Doch Zu- hause kommt er nicht an.

Ps ist jener Jag im Jahr 1939, mit dem der 87Jährige seinen Bericht vor rund 80 Jugendlichen der Aueschule in Wende- burg(Landkreis Pei- ne in Niedersachsen: Red.) beginnt. Als Schuljunge hatte er das Gymnasium in Krakau besucht.„17 SS-Männer warteten vor der Schule auf uns. Sie hatten das ge- samte Gebäude um- kreist. Sie brachten uns nach Linz. Da mussten wir als Zwangsarbeiter in ei- nem Stromwerk ar- beiten.“

Was nur hatte die- Ser Schuljunge getan, dass er von den Nazis festgenommen wurde?„Nichts“, sagt Kazimierz Orlo- wski.„Es gab keine politischen Gründe. Die Deutschen brauchten dringend Ar- beitskräfte. Also haben sie uns einfach genommen.“ Bis 1942 hielt der junge Mann durch. Dann floh er. Zurück in die Heimat, zu seinen Eltern und den zwei Brüdern in Krakau.

Zwei Wochen spãter kamen die deut- Schen Besatzer. Mitten in der Nacht ver- hafteten sie den Jungen erneut- und die- ses Mal auch seinen Bruder. Die Geschwister wurden nach Auschwit? ge-

Mai 2009 in Stettin.

bracht.„Vor den Toren von Auschwitz verlor ich meinen Namen“, sagt Kazi- mierz Orlowski. Er hält seinen linken Arm in die Höhe. Fine Tätowierung ist zu schen.„Von nun an war ich nur noch die Nummer 62044.“ Er musste täãglich arbeiten. Seine Auf- gabe: Schwere Steine Schleppen. Zu essen gab es am Jag vier Pellkartoffeln und etwas wässrige Sup- pe. Orlowski erin- nert sich, wie immer wieder Juden nach Auschwitz kamen: „Die Füge waren voll beladen mit Ju- den. Ein SS-Mann sortierte aus. Män- ner nach links, Frau- en und Kinder nach rechts. Die auf der rechten Seite kamen ins Krematorium.“ Nun ist es still im Klassenraum. Ein Schüler fragt: Gab es keine Fuchtmög- lichkeit? Orlowski antwortet:„Es gab viele. Eine meiner Aufgaben war es, Kohlen zu transportieren. Ich war täg- lich in der Stadt. Aber ich wäre nie geflohen, mein Bruder war doch auch im KZ.“ Im Lager selbst gab es keine Fluchtchancen. Orlowski erzählt von 500-Volt-Stromzäunen, mit denen das Gelãnde eingekreist war. Dann erinnert sich Orlowski an ein Fußballspiel.„Wir mussten gegen die deutschen Häftlinge spielen. Sie waren

Kazimierz Orlowski(1921- 2010) im

Foto: M. Schulte